Bildnachweis: © FX | Szene aus "The Beauty"

Explosive Schönheit: Kritik zur Disney-Serie "The Beauty"

von Yuliya Mieland

Inhalt

„The Beauty“ dreht sich um mysteriöse Todesfälle im internationalen Supermodel-Milieu. Die FBI-Agenten Cooper Madsen und Jordan Bennett werden nach Paris geschickt, um die Hintergründe aufzuklären. Schnell stoßen sie auf ein gefährliches Geheimnis: Ein mysteriöser Virus macht Menschen äußerlich makellos, fordert jedoch einen tödlichen Preis. Im Zentrum der Geschehnisse steht die mächtige Organisation The Corporation, deren Anführer eine Substanz namens The Beauty kontrolliert und um jeden Preis seine Macht sichern will. Während die Ermittlungen Europa durchziehen, gerät auch der Außenseiter Jeremy in einen Strudel aus Gier, Manipulation und genetischen Experimenten.

Kritik

Jeder kennt den abgedroschenen Spruch „Wer schön sein will, muss leiden.“ Gerade dieser Spruch beschreibt ziemlich akkurat, worum es in der Serie The Beauty geht. Die Serie dreht sich um Menschen, die mit ihrem Äußeren unzufrieden sind, weil sie zu dick, zu alt, zu krank, zu hässlich sind, doch glücklicherweise bittet "The Beauty" eine schnelle Lösung für das Problem und beschert ihnen neue Körper, mit denen sie mehr als nur zufrieden sein können. Der Haken an der Sache ist nur, dass es ziemlich krasse Nebenwirkungen gibt, die mit Nebenwirkungen von Schönheitsoperationen nicht einmal ansatzweise verglichen werden können. Die Grundidee für die Serie ist schon mal fantastisch und schafft es definitiv Aufmerksamkeit zu erregen, doch schafft es die Serie, dass die Zuschauer dauerhaft am Ball bleiben? Bevor man diese Frage beantwortet und sich in die Analyse der Folgen stürzt ist es wichtig zu erwähnen, dass für die Sichtung nur eine vorläufige Schnittfassung der Episoden vorlag, die nicht zur Ausstrahlung bestimmt ist. Diesbezüglich kann man nur hoffen, dass die Schnitte noch radikal überarbeitet werden, denn das, was an rohem Material vorliegt, wirkt momentan zu sehr wie eine Serie, die sich noch im frühen Stadium ihrer Entstehungsphase befindet. 

Gerade die Folge 2 erscheint wie ein Aneinanderreihen von zusammenhanglosen Szenen und nicht wie eine abgeschlossene Folge. Auch andere Folgen offenbaren ihre Schwächen und die größte Schwäche der vorliegenden Fassung ist, dass die Spannung nicht dauerhaft aufrechterhalten werden kann. Sobald ein kleiner Funke Spannung aufflackert, wird er ziemlich schnell durch lange Gespräche der beiden FBI Agenten gekillt. Der Serie fehlt so etwas wie eine Konstante und ein roter Faden, der von einem zum nächsten Ereignis führt. Im Nachhinein ergeben so manche Dinge doch Sinn und The Beauty bemüht sich stets für alles eine logische Erklärung zu liefern. Nur dauert es etwas bis man dahinterkommt. Sicherlich kann man es als positiv bewerten, dass die Handlung so konzipiert wurde, dass die Protagonisten sich nicht sofort in die Karten schauen lassen. Nur die Art und Weise, wie die Geschichten der Figuren präsentiert werden, ist definitiv nicht jedermanns Sache. Was bringt es, die beste Erklärung oder eine ausführliche Hintergrundgeschichte zu liefern, wenn die Zuschauer bereits nach der zweiten Folge nicht mehr einschalten? Bei der Flut an Serien besteht heutzutage immer die Gefahr, dass das Publikum schnell das Interesse verliert. Deswegen ist es schade, dass ausgerechnet die erste Folge nach dem sensationellen Einstieg schwächelt und bereits die zweite Folge zusammenhanglos erscheint. 

Hoffentlich merken es die Filmemacher noch rechtzeitig und führen eine Beauty-Behandlung an der eigenen Serie durch und in diesem Fall liegt die Lösung im Schnitt. Es ist zu spät, um das Drehbuch umzuschreiben, aber man kann noch einiges retten, indem man die ausführlichen Gespräche der FBI Agenten strafft und andere Gespräche, die die Figuren über ihre Vergangenheit oder ihr „erbärmliches Leben“ als „Normalos“ führen, kürzt. Nur so schafft man es das große Ganze im Auge zu behalten. Der Schnitt des Trailers ist schließlich auch ziemlich gelungen, warum sollte man die Serie nicht auch noch retten können? Bereits die vorläufige Fassung zeigt ein großes Potenzial und das Beste daran ist, dass alles, was geschieht irgendwann mal auch erläutert wird. Man lässt sich hier und da ein wenig von Horrorfilmen inspirieren wie z.B. 28 Days Later und liefert plausible wissenschaftliche Erklärungen. Außerdem arbeitet man viel mit Rückblicken und fügt stets neue Figuren ein, was zuerst etwas für Verwirrung sorgt, jedoch später einen Sinn ergibt. Und im Zentrum des ganzen Geschehens steht eine äußerst unsympathische Figur namens Byron, der hinter der Erfindung von "The Beauty“ steht. Er wird hervorragend von Ashton Kutcher (Love Vegas) verkörpert. Eigentlich hat diese Serie wirklich alles, um Erfolg zu haben, aber sie steht sich selbst zu oft im Weg. 

The Beauty kann sich nicht vorwerfen lassen sich nur oberflächlich mit der Thematik der Schönheit befasst zu haben, doch vielleicht ist weniger einfach mehr. Nach dem Motto „less talk, more action“, hätte die Serie die Sensation des Jahres 2026 werden können. Doch stattdessen ist sie nur eine weitere vollkommen austauschbare Streamingdienst-Serie. Allerdings gibt es für die Fans des Regisseurs und des Drehbuchautors Ryan Murphy eine gute Nachricht: Die Serie trägt unverkennbar seine Handschrift und erinnert stellenweise an die Musical-Serie Glee während Ashton Kutcher in seiner Rolle als eiskalter Schurke durch die Gegend tänzelt oder theatralisch inszenierte Gespräche mit seiner Ehefrau führt. Teilweise lässt auch das Setting und Stil von American Horror Story grüßen. Doch reicht das aus, um die Serie gut zu finden? Nun das muss wohl jeder für sich selbst entscheiden, aber leicht macht es die Serie einem nicht, insbesondere, wenn ständig neue Figuren auftauchen und die Hauptfiguren in manchen Folgen völlig in den Hintergrund geraten und gewisse Dinge, die gerade in den ersten Folgen eine Rolle gespielt haben, nicht mehr aufgegriffen werden. Trotzdem läuft alles darauf hinaus, dass es eine zweite Staffel von The Beauty geben soll. Die Frage ist nur, ob es tatsächlich so weit kommt, wenn die erste Staffel floppt. 

Fazit

„The Beauty“ verspielt ihre Chancen darauf, eine sensationelle Serie zu werden und ist insgesamt eher enttäuschend. Die Grundidee ist sicherlich goldwert, doch die Umsetzung ist langweilig und öde. Sobald in dieser Serie etwas Spannendes geschieht, wird es sogleich mit extrem langen belanglosen Dialogen zunichtegemacht. Manche Folgen wirken wie abgehackt und das ständige Auftauchen neuer Figuren macht das Ganze auch nicht besser. Irgendwann Mal zieht auch die wundersame Verwandlung der Normalos in Beautys nicht mehr und was bleibt ist nur eine großartige Idee, die einfach verpufft. 

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