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Smooli

Kritik von Smooli

Gesehen: Dezember, 2016

Ich war neulich im Gericht. Nicht als Kläger, Zeuge oder Angeklagter, sondern aus „wissenschaftlichen Gründen“, wie der Richter so schön gesagt hat. Ich saß einfach hinter den Parteien der Rechtsstreitigkeiten im Zuschauerbereich und genoss den Vorteil von öffentlichen Verhandlungen. Zuschauen durfte ich bei Güteterminen, also jenen ersten Aufeinandertreffen von Kläger und Angeklagtem, wo gemeinsamer Boden gesucht wird, um einen großen Prozess zu verhindern. Es ging ausschließlich um Fälle bezüglich des Arbeitsrechts und doch erfährt man eine ganze Menge an Informationen, die sich auf alle Bereiche des Rechts übertragen lassen. Zum Beispiel Tatsache Nummer 1: Niemand weiß, wie der Tatbestand wirklich war. Abgesehen von Kläger und Angeklagtem. Sonst niemand. Oder zum Beispiel Tatsache Nummer 2: Der Richter ist nicht der schlauste Mensch im Raum. Kann er gar nicht sein, muss er auch nicht sein. Dafür hat er ja schließlich seine Kollegen, die - im Idealfall - mit größtmöglicher Objektivität an den Fall herantreten, die der Gerechtigkeit im pursten Sinne verbunden sind. Tatsache Nummer 3: Objektivität gibt es nicht. Sollte es wahrscheinlich auch nicht geben.

Sidney Lumet hat mit seinem Spielfilm-Debüt einen Strike-Homerun-Hattrick-Moinmoinhummelhummelmorsmors-Geniestreich von Film abgeliefert. Die Geschichte ist einfach, sie basiert auf einem Theaterstück, sie existiert als ein Kammerspiel. Abgesehen von einer Handvoll Einstellungen am Anfang und am Ende (die vor dem Gerichtsgebäude oder im Plenarsaal anzusiedeln sind), hält sich die Kamera nur in dem Raum der Geschworenen und dem anliegenden Bad auf… und macht daraus das kinematischste Erlebnis, das man als Zuschauer wohl haben kann. Es ist beschämend, was heutzutage als sehenswerte und atemberaubende Action durchgeht, während Lumet anno 1957 ohne CGI, Greenscreen, etcpp. einen Meilenstein rausdonnert, der sich ins Knochenmark frisst, an der Seele der Zuschauer festklammert und aus jeder Pore den Atem unanfechtbaren Gerechtigkeit dampfen hat. Die Macht der Staatsgewalten wird am Anfang von den kaltgrauen Stufen und vier dicken und hohen Pfeilern symbolisiert. Der Mensch verschwindet hier unter dem Druck des Rechts und dem Druck der Schuld - aber er kann auch am Ende wieder frei hervorkommen. Weniger passend ist hierzu die Haltung des Richters; ein Junge ist zum Tode verurteilt, aber er kritzelt nebenher auf Papier herum und stützt seinen Kopf auf eine Hand. Business as usual. Was folgt, ist für die zwölf Geschworenen alles andere als gewöhnlich - sie haben nämlich einen in ihrer Mitte, der im Zweifel für den Angeklagten ist. Der Rest ist nicht nur Filmgeschichte, er ist zum Nägelkauen, gänsehautbeschwörend, rührend, ergreifend, beeindruckend. Eigentlich unbeschreiblich.

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