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Inhalt

La Jasseix, ein kleiner Ort im französischen Zentralmassiv, ist harte Winter gewöhnt, doch einen so starken Schneefall gab es auch hier seit 50 Jahren nicht mehr. Völlig abgeschnitten von der Außenwelt können die Bewohner zwar mit den widrigen Bedingungen umgehen, sind jedoch nicht vorbereitet auf eine ganz andere Gefahr: Ausgehungerte Wölfe kommen aus den Bergen und versetzten die Anwohner in Todesangst.

Kritik

„Wenn der Wolfsziegel pfeift, dann kommen die Wölfe herunter in den Ort!“

Unter einem Wolfsziegel versteht man einen speziell angefertigten Dachziegel, der Wind- und Wetterveränderungen durch ein Pfeifen ankündigt. In früheren Zeiten leitete man daraus ab, wann die Lebensbedingungen in den Wäldern so hart wurden, dass man sich auf das Auftauchen von Wölfen in besiedelten Regionen einstellen musste. Zugegeben, sicher keine bombensichere Methode, aber lieber einmal zu viel als zu wenig vorgewarnt. Heute und auch zu der Zeit der Handlung des Films Wolfsziegel – angesiedelt irgendwann in den späten 60ern, frühen 70ern – nur noch ein belächeltes Relikt alter Tage. Selbst in dem abgeschiedenen, sehr traditionellen Bergdörfchen La Jasseix, dessen Einwohner sich normalerweise von der rohen Kraft der Natur nicht so schnell beeindrucken lassen. Schwere Winter gehören zu ihrem Leben wie die Skier zum Arbeitswerkezug des Briefträgers. Wenn es mal wieder keinen Strom gibt, werden eben Kerzen angezündet und generell hat man sich mit einem beinah autarken Dasein, zumindest in dieser Jahreszeit, wie selbstverständlich arrangiert. Die Prophezeiung des von bösen Zungen als Quacksalber bezeichneten Ravenel, der harte Winter würde als in der Gegend längst ausgestorben geltende Wölfe anlocken, werden von der Mehrheit nur müde belächelt. Bis sie schließlich vor der Tür stehen…

Nach dem Roman von Jean-Marc Soyez fürs Fernsehen produzierte Mischung aus Provinzdrama, Abenteuer-, Survival- und Gruselfilm, dessen Prämisse auch nach nun mehr 45 Jahren genug Potenzial für einen klaustrophobisch-packenden Winterabend bereithält. In diesen Genuss kommt der Zuschauer leider nur selten. Seine TV-Herkunft kann Wolfsziegel niemals verschleiern. Die Produktion wirkt oftmals zweckdienlich, kosteneffizient und wenig aufwändig. Das muss nicht zwingend ein Stolperstein sein, wenn dafür Inhalt und Stimmung die Kohlen aus dem Feuer holen. Atmosphärisch stellenweise durchaus in Ordnung werden zunächst die kleine, (mehr oder weniger) verschworene Gemeinde und ihre extremen Lebensbedingungen vorgestellt, die mögliche Bedrohung aus den Bergen fast zum mystischen Phänomen erhoben. Die Urangst vor großen, bösen Wolf hat Züge eines düsteren Märchens, besonders da die Gefahr  - wie immer in erster Linie vom Bürgermeister, der nichts von panikmachenden Präventivmaßnahmen hält – als abergläubischer Unfug abgetan wird. Es dauert eine ganze Weile, bis die hungrigen Raubtiere durch die Straßen schleichen, als typischer Tier-Horrorfilm funktioniert Wolfsziegel nur sehr geringfügig und will dies vermutlich auch gar nicht konkret sein.

Es sollen mehr die innere Struktur der Gemeinschaft und die durch die Wölfe verkörperte Symbolik in den Mittelpunkt rücken, die auch einen Diskurs zwischen Traditionen und Moderne, Religion, Gesellschaft und Politik in sich birgt. Dies gelingt dem Film allerdings nur sehr dürftig, da diese Konflikte lediglich grob angedeutet und niemals richtig vertieft werden. Eher steif abgefilmt als sich wirklich mit der Materie beschäftigend. Die zu erwartenden Machtkämpfe und (vermutlich sehr spannende) Selbstzerfleischung der Einwohner und ihrer verschiedenen „Anführer“ bleiben aus, das müssen letztlich doch die heulenden Wildlinge übernehmen. Wenn sie es denn machen dürften. Die Nacht der hungrigen Wölfe bietet ein paar anständige Bilder und dezentes Survival-Feeling, am Ende ist der Spuk aber schnell vorbei, auch dank eines holperigen, esoterisch-angehauchten Finales, das ähnlich blass ausfällt wie der gesamte Film. Bedauerlich, hier wäre um einiges mehr machbar gewesen, in verschiedene Richtungen.

Fazit

Eine Neuverfilmung wäre ausnahmsweise mal eine gute Idee. dann aber bitte mit etwas mehr fachmännischen Können und finanziellen Vertrauen in das Projekt, damit solche Ansätze nicht wieder als graue Schneepampe im TV-Filmarchiv verschwinden. Reizvolle Geschichte und Kulisse, ab und an ein Hauch von subtiler Gruselatmosphäre und Sozialstudie, viel mehr als ein verstummtes Pfeifen im Wald bleibt von „Wolfsziegel“ beim besten Willen nicht hängen.

Autor: Jacko Kunze

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