5.9

MB-Kritik

Tomb Raider 2018

Action, Adventure

5.9

Alicia Vikander
Dominic West
Walton Goggins
Daniel Wu
Kristin Scott Thomas
Derek Jacobi
Alexandre Willaume
Tamer Burjaq
Adrian Collins
Keenan Arrison
Andrian Mazive
Milton Schorr
Hannah John-Kamen
Peter Waison
Samuel Mak
Sky Yang

Inhalt

Lara Croft ist die Tochter eines exzentrischen Abenteurers, der spurlos verschwand, als sie noch im Teenageralter war. Mit 21 Jahren ist sie eine junge Frau, die noch kein richtiges Ziel vor Augen hat. Sie weigert sich, die Führung im Firmenimperium ihres Vaters zu übernehmen und verdingt sich ihren Lebensunterhalt als Fahrradkurier in London. Schließlich entscheided sie sich, ihren verschollen Dad zu suchen und begibt sich an seinen letzten bekannten Aufenthaltsort - eine mysteriöse Insel irgendwo vor der Küste Japans.

Kritik

Videospielverfilmungen genießen einen schlechten Ruf und das ist auch verständlich, bedenkt man wie schwierig es ist mit der Adaption eines Games zu überzeugen. Die Ästhetik von Videospielen, die in ihrem eigenen Kosmos sehr gut funktioniert, funktioniert auf der Leinwand eben nicht. Daher muss man sich ein wenig vom Look der Spiele entfernen und eine eigene Bildsprache finden, was jedoch Fans oftmals nicht in den Kram passt. So entstehen meistens entweder belanglose Fanservice-Filme oder welche, die sich so sehr vom Spiel distanziert haben, dass sie nur noch im Ansatz was mit diesem zu tun haben. Auch Tomb Raider tappt bis zu einem gewissen Grad in diese Falle, wobei sich der Film zugegebenermaßen in Teilendeutlich geschickter anstellt als der Durchschnitt. Er entscheidet sich am Anfang dazu, keine Videospiel-Ästhetik zu wählen, sondern eine die die Videospiel-Ästhetik sehr gut beschreibt, aber dazu an späterer Stelle mehr. Jetzt erstmal zu etwas anderem: Lara Croft ist eine Frau (Alicia Vikander, The Danish Girl)

Man darf sich schon auf die zahlreichen Diversity- Kritiken und Diskussionen  freuen, die Tomb Raider entweder als sexistisches Machwerk oder als feministisches Meisterwerk betiteln. Der Trend geht dahin, dass man nicht mehr so sehr auf die Qualität eines Werkes, sondern auf Quoten und die „Stärke“ einer Figur konzentriert. Dabei wird eine „starke Frauenfigur“ oftmals mit einer Frau mit externen Waffen verwechselt. Doch liegt die eigentliche Stärke nicht im Latenten, nicht in der eigenen Willenskraft, in den internen Waffen? Lara Croft  ist sicherlich keine feministische Figur, aber auch keine sexistisch in Szene gesetzte Figur. Sie ist eine Blockbuster- Protagonistin wie aus dem Bilderbuch, die eben zufälligerweise eine Frau ist, und dazu steht der Film auch. Sie wird hier weder auf ihr Äußeres und auf irgendwelche nerdigen Männerphantasien reduziert, noch wird sie als Befreierin aus dem Patriarchat charakterisiert.

In dieser ideologisch weitesgehenden Neutralität, die der Film über die komplette Lauflänge hinweg ausstrahlt, liegt seine größte Stärke: Er kann sich komplett auf die Adaption konzentrieren und lässt sich in gewissermaßen als Film über Videospiele verstehen. Der Plot könnte einfacher und stereotypischer nicht sein, die Ästhetik hat zwar das übliche Blockbuster- Niveau, verarbeitet jedoch im Kleinen Motive, die wir aus Videospielen kennen. Da wären zum Beispiel Aufnahmen in der Natur, die in der Ego- Shooter- Perspektive die Umgebung abtasten, oder Aufnahmen die eine Bedrohung fokussieren, wie man es in kurzen Einleitungs- Clips von Videospielen gewohnt ist. Auch der Minispiel- Charakter von Games wird durch die stetige und ungewöhnlich üppige Aneinanderreihung von Missionen verdeutlicht. Hier ist der Film visuell sehr interessant und spannend, weil er bei jeder Bedrohung nicht die Frage nach dem Überleben der Protagonistin stellt, sondern nach der Art des Überlebens. Es ist also ähnlich wie in einem Spiel, wo man weiß dass man es irgendwann schafft, die Frage ist nur in wie vielen Versuchen.

In der zweiten Hälfte verliert der Film leider seine Spannung und flacht deutlich ab. Dort bekommt man dann einen typischen Vater- Tochter- Konflikt vorgesetzt, der jedoch so wahnsinnig uninspiriert und belanglos wirkt, dass er nicht im Ansatz funktioniert. Außerdem passt er nicht in das Konstrukt, das sich der Film während der ersten Hälfte so mühselig aufgebaut hat. Er ist an dieser Stelle nicht mehr der clevere Film über Videospiele aus der ersten Hälfte, sondern verfällt dem Durchschnitt üblicher Hollywood- Adaptionen und treibt seine Geschichte nur noch ans obligatorische Ende.  Daslässt nicht nur die zweite Hälfte ermüdend wirken, sondern zerstört auch ein gelungenes Gesamtbild, zerstört den Eindruck, den man aus der ersten Hälfte mitgenommen hat. Man muss es dann leider sagen: Tomb Raider ist am Ende trotz solcher Ansätze nur partiell und nicht in seiner Gesamtheit ein Film über Videospiele, sondern ein durchschnittlicher Hollywood- Blockbuster nach Schema F.

Fazit

"Tomb Raider" ist in Teilen sehr interessant anzusehen, wirkt durch seine bewusste Konventionalität erfrischend andersartig, verliert sich dann jedoch in der zweiten Hälfte in inszenatorische wie inhaltliche Belanglosigkeiten, weshalb es am Ende nur für einen Film reicht, der sich im oberen Durchschnitt ansiedelt.

Autor: Maximilian Knade
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