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Ein chinesisches Dorf fernab der Metropolen. Hier lebt der zehnjährige Zhu Hongbo, genannt „Steinkopf“, als eines von vielen Kindern, deren Eltern als Wanderarbeiter in die Großstädte gezogen sind. Allein mit ihren Großeltern und ein paar Lehrern müssen sie sich andere Vorbilder suchen – oder selbst welche sein. Steinkopf erhält als Musterschüler des Landkreises nicht nur eine Urkunde, sondern auch einen nagelneuen Fußball. Doch auf die Freude darüber folgt schnell Enttäuschung.

Kritik

Abweisend und trostlos erstreckt sich die unwirtliche Einöde der chinesischen Provinz. Eine baufällige Brücke verbindet die einzelnen Betonbauten mit der Landstraße zur nächsten Stadt. Dort arbeiten Zhu Hongbos Eltern, die sich wie viele Bewohner in der ärmlichen Gegend als Wanderarbeiter durchschlagen. Solange lebt der 10-Jährige bei seiner Großmutter, die seine Schulauszeichnungen stolz in der kargen Behausung aufhängt. Der Hauptcharakter, dessen hoffnungslosen Kampf gegen sich selbst und eine übermächtige Machtmaschinerie Zhao Xiangs Spielfilmdebüt erzählt, erhält viele solcher bunten Blätter. Er ist ein Musterschüler. 

Womöglich nennen ihn die Klassenkameraden deshalb Shi Tou, „Steinkopf“. Unterschwellig verrät der Spitzname jedoch die Hartnäckigkeit des unvollkommenen Vorzeigeschülers. Die Lehrer sehen ihn als Aushängeschild ihrer Kompetenz und der Effektivität einer Regierungsform, deren Risse an jeder Ecke der mittellosen Institution hervortreten. Für seine Leistungen kriegt Shi Tou von einem Vertreter der Obrigkeit einen Fußball geschenkt. Es ist das einzige Spielzeug für ihn und die übrigen Jungen, die es unumwunden als Gemeingut behandeln. Zum Wiedersehensspiel mit dem Vater, auf das er sich gefreut hat, kommt es nie. Wütend über die Enteignung beschädigt er den Ball. Die harschen Konsequenzen muss sein bester Freund Cai tragen. 

Der Außenseiter wird zum Schuldigen erklärt und soll den Ball ersetzen. Aus Ausgrenzung wird immer grausamere Schikane, die Cais Freund nur durch ein Schuldeingeständnis beenden kann. Doch das wagt der stille Protagonist nicht. Er fürchtet nicht die anderen Kinder, sondern die dogmatische Ideologie. Unterbewusst begreift er die ideologischen Implikationen seines Regelverstoßes. Die politische Indoktrinierung macht aus der kommenden Generation zu den kleinsten Rädchen im Getriebe. Die dokumentarische Geschichte von vertrackter Schuld und unmöglicher Wiedergutmachung ist somit ein angenehm ernsthafter Blick auf die individuellen Auswirkungen gedanklicher Unfreiheit.

Fazit

Kalt Bilder einer unwirtlichen Landschaft erzählen in realistischen Bildern vom ausweglosen Konflikt des kleinen Hauptcharakters mit dem eigenen Gewissen und einem gefühlstoten System. In Einklang mit der bitteren Lebensrealität der Figuren vermeidet der Regisseur jeden aufgesetzten Optimismus. Seine Parabel von vertrackter Schuld und unmöglicher Wiedergutmachung ist eine nicht minder reale Abrechnung mit dem System.

Autor: Lida Bach

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