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Inhalt

Benjamin sitzt seit einem Unfall vor sieben Jahren im Rollstuhl. Er schikaniert seine Mutter, die ihn betüttelt, und den neuen Zivi Christian. An dem prallen seine Zynismen ab, weiß er doch, dass er nach einem halben Jahr sein Medizinstudium fortsetzt. Benjamin übertüncht damit aber nur seine wahren Gefühle. Er wünscht sich eine normale Beziehung. Beide jungen Männer verlieben sich ausgerechnet in das selbe Mädchen, die umtriebige Musikstudentin Annika, die sich nicht entscheiden kann und ihre Gunst zwischen ihnen aufteilt.

Kritik

Wenn er sich verliebe, gäbe es meistens ganz große Katastrophen, meint Ben (Robert Gwisdek). Von Aktionen wie der Liebe habt er sich darum losgesagt, die Liebe aber nicht von ihm. Sie stürzt in das Leben des verschlossenen Studenten, der seine Einsamkeit hinter beißendem, Sarkasmus versteckt, als die junge Cellistin Annika (Anna Brüggemann) vor Bens Augen dem Fahrrad stürzt. Das hört sich nach einer Geschichte an, die schon zu oft erzählt wurde, besonders im Kino. Doch was das Filmemacher-Geschwisterpaar Anna und Dietrich Brüggemann aus dem Stoff herausholen, ist dank guter Darsteller und ausgereifter Charaktere durchaus sehenswert. Statt Ben hilft sein neuer Bekannter Christian (Jacob Matschenz) Annika auf. Ben sieht den beiden nur im Verborgenen von seinem Balkon. Von dort beobachtet er seine Umwelt aus sicherer Entfernung. Denn Ben ist querschnittsgelähmt und schäumt vor richtungslosem Zorn über sein Handicap. 

Christian ist sein Zivi und bekommt eine Menge von Bens Wut ab. In einer chaotischen Nacht werden die Drei, die auf unterschiedliche Weise mit der eigenen Unsicherheit kämpfen, zu Freunden. Auch Christian verliebt sich in Annika. Doch sie fühlt sich mehr zu Ben hingezogen. Das Gefühlschaos stellt die Freundschaft des Trios auf die Probe und vor die Frage, wie es um ihre Unvoreingenommenheit tatsächlich steht. Eine klassische Menage-a-trois zwischen zwei Männern und einer jungen Frau und die Geschichte eines menschenscheuen Zynikers, den die Liebe aus der emotionalen Deckung lockt: Die Thematik von Anna und Dietrich Brüggemanns preisgekrönter Tragikkomödie ist nichts Ungewöhnliches. Die erfrischend unsentimentale Perspektive, aus der die Geschehnisse erzählt werden, dafür schon. Mit seiner überzeugenden Story gelingt es dem zweiten gemeinsamen Werk der Filmemacher, den dramaturgischen Aspekt der Behinderung in den Hintergrund treten zu lassen. Das Beziehungsdrama ist ein Film mit einer behinderten Figur, aber es kreist nicht um deren physischen Zustand oder betont verkrampft, dass diese „ganz normal“ sei. 

Bens Normalität wird quasi von allein zur Selbstverständlichkeit, meistens in nicht gerade sympathischer Weise. Systematisch schikaniert der frustrierte junge Mann seine Zivis, irritiert sein Umfeld mit abstrusen Märchen über seine Vergangenheit und befremdet mit seinem Zynismus sogar Annika. Insgeheim mag er sie, doch die Angst vor einer Zurückweisung ist größer als die Sehnsucht nach Nähe. Von Anfang an ist allerdings klar, dass sich das im Laufe der Handlung noch ändern wird. Solche Vorhersehbarkeiten sind angesichts der Stärken des Films verzeihlich. Anders verhält es sich da schon mit den zahlreichen Längen der Handlung. Dazu stören allzu gewollte Wendungen, die den schwarzen Humor der Melodramatik zu opfern drohen. In der schlimmsten der ungelenken Kurven, die der Plot unerwartet schlägt, riskieren die Brüggemanns mit überflüssigem Moralisieren gar die Glaubwürdigkeit ihres Werks.

Fazit

Den schnörkellosen Darstellungen des jungen Ensembles, besonders Robert Gwisdek, ist die Authentizität zu verdanken, die den tragikomischen Streifen aus der Masse belangloser Unterhaltung hervorheben. Ben bissige Sprüche sind nur eine Facette der an anderer Stelle überraschend feinfühligen Dialoge. Diese Stimmigkeit macht das schroffe Drama im Vergleich zur üblichen deutschen Komödienware zu einem bemerkenswerten Frühwerk des Regieduos.

Autor: Lida Bach

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