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1984 stürmte ein Popsong in maorischer Sprache an die Spitze der neuseeländischen Charts. Es grenzte an ein Wunder, dass traditionell inspirierte Musik so erfolgreich sein konnte. Es war die Zeit von Tina Turner und Michael Jackson. Texte waren englisch, was sonst. Dann kamen Dalvanius Prime, ein massiger Maori mit kräftig-weicher Stimme und die Sänger des Patea Maori Club. Prime hatte sich zunächst als "schwarzer" Soul-Musiker verstanden. Nun mischte er alte Melodien mit modernen Beats. Obwohl die Medien so etwas am liebsten ignoriert hätten, wurde Poi E zur „Hymne einer neuen Generation“, verhalf vielen Maori ihre Wurzeln wiederzuentdecken und erlebte in Taika Waititis Film Boy (Generation 2010) einen erneuten Hype.

Kritik

Was bedeutet „Poi E“? Das ist die erste Frage, die Te Arepa Kahis enthusiastischer Dokumentarfilm aufwirft, und es bleibt bei Weitem nicht die Letzte. Der neuseeländische Filmemacher ignoriert die zahlreichen Leerstellen. Seine musikalische Hommage soll nicht informieren, sondern zelebrieren. Vor allem aber soll sie begeistern. Wofür, das nimmt der Titel vorweg. Worum, das bleibt bis zuletzt vage. Jedenfalls gilt das für alle, die das gefeierte Liedgut im Mittelpunkt der filmischen Verklärung nicht in- und auswendig kennen. Im Umkreis des Regisseurs existieren solche Ahnungslosen offenkundig nicht.

It's glory for Maori“, sagt ein Musiker und ein anderer zückt ein Handyvideo seiner Tochter. Die ist kaum älter als drei, aber weiß schon mehr über das Thema als die Zuschauer. Obwohl die nostalgische Revision da fast zu Ende ist. Spannende und bedeutsame Themen wie kulturelle und soziale Unterdrückung, Zwangsassimilation und die Bedeutung von Sprache für die Identität werden verdrängt, damit das Kinderpublikum, an das sich der Beitrag der Berlinale Generations richtet, eifrig im Takt klatschen kann. Kahi ist es nicht hintergründiges Erkunden und historische Aufarbeitung, sondern mit einer dicken Lasur aus Optimismus und Exaltation getünchte Idolatrie, umrahmt von zusammengestückelten Retro-Bildern über einen Schnipsel nationaler Popgeschichte.

Das heißt „Poi E“ und stürmte in Neuseeland 1984 die Charts. Die auf Maori-Performancekunst basierende Single war die erste in einheimischer Sprache und ist bis heute die erfolgreichste. Der überraschende Nummer-1-Hit von Dalvanius Prime markierte den Durchbruch einheimischer Sprach- und Musikkultur in die breite Öffentlichkeit. Am bedeutendsten darunter ist die junge Maori-Generation, die über die Jahrzehnte der Diskriminierung von ihrer Muttersprache distanziert waren. Das Singen der Rhythmen, die Prime laut eines Zeitgenossen beim Studium im „Tempel des Funk am Altar des R 'n B“ gelernt hatte, ein dynamischer Weg der Selbstbehauptung und Rückverwurzelung.

Fazit

Im Verbrämen und Parlieren ist der Reigen an Freunden, Kollegen, Wegbegleitern und Epigonen der neuseeländischen Musikikone Dalvanius Prime groß. Für eine blauäugige Lobeshymne auf ein außergewöhnliches One-Hit-Wonder mag das genügen. Für eine überzeugende Doku ist es zuviel vom Falschen.

Autor: Lida Bach

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