6.3

MB-Kritik

Pitch Perfect 3 2017

Comedy, Music

6.3

Hailee Steinfeld
Anna Kendrick
Ruby Rose
Brittany Snow
Elizabeth Banks
John Lithgow
Anna Camp
Alexis Knapp
Rebel Wilson
Hana Mae Lee
Matt Lanter
Kelley Jakle
Shelley Regner
Ester Dean
Chrissie Fit
Destiny Bianca Lopez

Inhalt

Frisch vom College müssen die Bellas feststellen, dass es schwieriger ist, in der erbarmungslosen Arbeitswelt den richtigen Ton zu treffen als auf einer A-cappella-Bühne. Die Euphorie nach dem Sieg bei der Weltmeisterschaft ist schnell verpufft, als jede von ihnen bei der Suche nach einem richtigen Job auf sich allein gestellt ist. Umso attraktiver scheint ihnen die Möglichkeit, sich für einen internationalen Wettbewerb ein letztes Mal zusammen zu tun.

Kritik

Abschlüsse einer Trilogie, die vor allem im Mainstream von jungen Menschen gefeiert wurde, sind immer ein schwieriger Fall. Das Team hinter dem Film steht vor der Herausforderung, die richtige Balance zwischen Fan-Service, einer guten Story und einem eigenständigen Mehrwert innerhalb der Trilogie zu finden. Besonders schwierig erscheint das, wenn die Trilogie durch einen nahezu redundanten Plot geprägt ist, wie es bei Pitch Perfect 3 der Fall ist. Hier ist es der Wettbewerb unter Musikern, der immer wieder die Handlung bestimmt, aber hier wird ähnlich wie im ersten Teil etwas aus der zugrunde liegenden Wettbewerbs-Ideologie gemacht. Während Pitch Perfect eine Gruppe Mädchen skizzierte, die sich gegen aller Erwartungen gegen eine dominierende Gruppe von Jungs durchsetzen konnte und somit mit der Illusion nicht wettbewerbsfähiger Frauen aufräumte, so war das Sequel Pitch Perfect 2 leider nur eine Aufarbeitung des gleichen Gedankenguts auf unterhaltsame Art und Weise.

Das dritte und wohl letzte Kapitel geht nun aber noch einen Schritt weiter und zeigt nicht nur Frauen, die innerhalb einer kapitalistischen Wettbewerbsordnung bestehen können, sondern zeigt Frauen, die die kapitalistische Wettbewerbsordnung regelrecht brauchen und lieben. Dabei steht ein Wettbewerb diesmal gar nicht von Anfang an zur Debatte. Die Barden Bellas sollen lediglich im Rahmen einer Ehrung des US-amerikanischen Militärs auftreten. Interessant ist an dieser Anfangsphase des Filmes jedoch, dass die Bellas sich diesen Wettbewerb unbedingt herbeisehnen. Immer wieder haken sie nach, ob es nicht doch etwas zu gewinnen gebe oder ob sie nicht gegen die anderen Bands antreten können. Als sie dann davon erfahren, dass DJ Khaled eine der auftretenden Gruppen auserwählen wird, damit sie seine eigene Show eröffnen, sind sie voll in ihrem Element.

Die Bellas geraten hier nicht mehr durch Zufall in einen Wettbewerb oder nehmen an einem Wettbewerb teil, um zu zeigen dass die ihnen zugeschriebene unterdrückte Rolle nicht gerechtfertig ist, sondern sie nehmen mit Freude daran teil, mit Freude am Gewinnen und lassen sich damit ganz klar einer neoliberalen Ideologie bezichtigen. Besonders interessant ist jedoch, dass die Bellas nicht um jeden Preis gewinnen wollen, es gibt für sie Paradigma, gewisse ethische Vorstellungen, die über dem Sieg stehen. Es wird ein gewisser Ethos kommuniziert, der jedoch nur innerhalb der Gruppe existiert und außerhalb der Gruppe nur suggeriert wird. Hier fühlt man sich an den Ethos des Kapitalismus von Benjamin Franklin erinnert, der vor allem durch Ehrlichkeit und Zuverlässigkeit geprägt ist. Wichtig ist nach ihm jedoch nur, dass ein Eindruck dessen vermittelt wird. Die wahrhaftige Umsetzung ist dabei sekundär. Und ähnlich ist es auch bei den Bellas. Sie wirken wie die niedliche, ehrliche Gruppe, die so unheimlich sympathisch wirkt, und biedern sich dem Zuschauer gegenüber immer wieder an. Schaut man jedoch hinter die Fassade, so bedienen sie sich außerhalb der Gruppe ebenso schmutziger Strategien wie ihre Konkurrenten.

Es erscheint nun recht unwahrscheinlich, dass die Intention hinter Pitch Perfect 3 eine Darstellung eines neoliberalen und emanzipierten Kapitalismus sein mag, dennoch kommuniziert der Film eben diese Ideologie. Das erscheint deshalb faszinierend, weil er einen recht neutralen Blick auf die zugrunde liegende politische Ideologie wirft, was zweifellos Resultat der unbeabsichtigten Betrachtung ist. Leider erscheint der Film dadurch auch recht unfokussiert und verliert sich immer wieder in Belanglosigkeiten, die mal mehr und mal weniger amüsant erscheinen. Regisseurin Trish Sie (Step Up: All In) legt ihren Fokus vor allem auf die sympathischen Charaktere und darauf, die Fans mit einem kitschigen Abschluss zu beglücken, was auch recht charmant gelingt, doch leider vom eigentlich Interessanten ablenkt.

Fazit

„Pitch Perfect 3“ entwickelt die im ersten Teil eingeführte, moderne Ideologie unbewusst weiter, was nicht nur zum Nachdenken anregt, sondern auch den ganzen Film in einem anderen Licht erscheinen lässt. Davon abgesehen lässt sich der Film eher seinem direkten Vorgänger zuordnen und legt mehr Wert auf Fan-Service und dem Spiel mit den sympathischen Charakteren. Das wirkt im Großen und Ganzen recht charmant und dürfte Fans einen gelungenen Abschluss versprechen, raubt dem Film jedoch auch eine Menge Potential und Qualitäten.

Autor: Maximilian Knade
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