6.7

MB-Kritik

Phase IV 1974

Sci-Fi, Horror, Thriller – USA

6.7

Nigel Davenport
Michael Murphy
Lynne Frederick
Alan Gifford
Robert Henderson
Helen Horton
David Healy

Inhalt

Ein Biologe und ein Analytiker untersuchen merkwürdige Veränderungen einer Ameisenkolonie. Als sie sich langsam dem wahren Umfang ihres Projektes gewahr werden, ist es schon längst zu spät…

Kritik

Phase I: „Als die Auswirkungen eintraten blieben sie fast unbemerkt, weil sie sich an einer kleinen und unbedeutenden Art vom Leben zeigten.“

Die Gelehrten sind sich unschlüssig, doch irgendwas ist passiert. Gravierende Veränderungen der Magnetfelder des Weltraums, oder nur ein irrelevantes Phänomen, genau Antworten kann niemand liefern. Nur ein wachsamer Biologe bemerkt eine erstaunliche Schieflage des Ökosystems: In einem abgelegenen Wüstengebiet von Arizona spielt die Evolution verrückt. Ameisen entledigen sich ihrer natürlichen Feinde, die Population wächst rasant. Zur Unterstützung wird ein Analytiker hinzugezogen, der bereits eine primitive Form der Kontaktaufnahme mit Meeressäugern herstellen konnte. Verblüfft von der rasanten Entwicklung sind sie beide, das Ausmaß erahnen sie nur im Geheimen, denn die Zeichen stehen fast unübersehbar auf einem beängstigenden Richtungswechsel. Vorsichtshalber wird evakuiert, das technische Equipment errichtet, mit einer noch rein wissenschaftlich interessierten Neugier beobachtet, die sich selbst plastisch auftürmende Gefahr noch als relativ harmlos, wenn auch verstörend aufgefasst. Bis es zu ersten Verlusten kommt.

Phase II: „So wehrlos im Einzelnen, so mächtig im Ganzen.“

Das Experiment hat begonnen und kippt sofort in den niemals befürchteten Ernstfall. Der kleine Feind hält zunächst die zahlreichen Füße still, muss angelockt werden und offenbart dann, zu was er – inzwischen - im Stande ist. Aus einer überlegenen Observation wird blanker, panischer Überlebenskampf. Ein Belagerungszustand durch eine zahlenmäßig weit überlegene und taktisch befremdlich geschulte Armee, die auch vor Kamikaze-Aktionen, Spionage und sogar regelrechter Aufrüstung nicht zurückschreckt; was passiert hier? Wir haben die Technologie, wir sind die dominante Spezies und werden trotzdem eingekesselt, infiltriert und in dem Glauben erschüttert, dass nur wir das Zepter in der Hand halten. Langsam dekodieren wir ihre Kommunikation, interagieren irgendwann mit ihnen und es kommt zum nicht für möglich gehaltenen Kräftemessen der Intelligenz. Wer wird hier von wem beobachtete, wer zieht seine Schlüsse, was sind wir noch wert in dieser absurd anmutenden Entwicklung, die uns längst überrollt und einen schleichenden Rollentausch bereits vollzogen hat.

Phase III: „Wir müssen ihnen verdeutlichen, dass wir – dass der Mensch -, niemals aufgeben wird!“

Panik und Verzweiflung macht sich breit. Wir haben den Krieg verloren, den wir niemals als solchen eingestuft hätten. Die einzig verbleibenden Optionen: Selbstaufopferung oder ein Attentat. Beides surreal und doch alles, was noch bleibt. Das Kräftemessen ist vorbei, die Kapitulation nicht denkbar. Diese Welt ist nicht mehr die Unsere. Sie hat sich radikal verändert und steht einer ungewissen Zukunft gegenüber. Vielleicht einer Besseren?

„Wir wussten nur, dass wir verändert und zu einem Teil ihrer Welt gemacht wurden. Wir wussten nicht, zu welchem Zweck. Aber wir waren uns sicher, sie würden es uns eines Tages sagen.“

Phase IV: ???

Fazit

Der einzige Spielfilm von Saul Bass - der als Grafikdesigner u.a. grandiose Vorspänne zu Filmen von Alfred Hitchcock (unvergessen: Vertigo – Aus dem Reich der Toten) oder Martin Scorsese (Kap der Angst oder auch Casino) entwarf -, ist nicht weniger als ein kleines Meisterwerk. Eher natürlich dem Science-Fiction- als dem Horrorgenre zuzuordnen, darf er einfach in so einer elitären Auswahl nicht fehlen. Auch da er in der Hochphase des 70er-Jahre Öko-Horrors den wahrscheinlich klügsten, nachhaltigsten Beitrag lieferte. Subversives, enorm bedrohliches Terrorkino, das locker dem Reiz seiner trashigen Prämisse unterliegen könnte und stattdessen eine stilistisch und optisch beeindruckende Allegorie auf die paranoid-gesteuerte Furcht vor der Unterwanderung kommunistischer, „unterklassigen Lebensformen“ darstellt. Beeindruckend sind selbst ohne Subtext-Berücksichtigung die einmaligen Fotographien echter Insekten, vermischt mit (selbst heute noch) kaum zu trennenden Special-Effects wie die konstant vorhandene und sich stetig steigernde, apokalyptische Stimmung, die immer noch ihresgleichen sucht. Sehr beklemmend, mahnend und auf seine Art tatsächlich einzigartig.

Autor: Jacko Kunze
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