2.5

MB-Kritik

Night Out: Alle feiern nackt! 2018

Comedy

2.5

Mara Scherzinger
Katerina Clark
Thomas Kellner
Spyros Markopoulos
Sulaika Lindemann
Martin Moeller
Jens Weber
Alexandra Zoe
Josephine Witt
Jörn Linnenbröker
Bejean Banner
Julia Thomas
Colin Comfort
Riana Kounou
Riccardo Simonetti
Trish Tank

Inhalt

Es ist Samstagnacht in Berlin. Nach Sonnenuntergang erwacht die angesagte Metropole zum Leben: Ein bunter Mix aus Singles, Paaren und Neugierigen jeglicher sexueller Orientierung erkundet sehnsüchtig nach Spaß und körperlicher Befriedigung die Clubszene der Stadt. Kunstgalerist Felix zeigt seinem Star-Künstler Michael und dessen geschäftstüchtiger Frau Sarah die angesagtesten Clubs, während Lena und ihre Geliebte Ingrid auf den Syrer Amir treffen, dessen anfängliche Schüchternheit sie zu immer neuen erotischen Spielen reizt. Martha und Sebastian versuchen im Nachtleben einen Investor zu finden und die junge Layla sucht unter Neonlicht und treibendem Bass nach dem Vater ihres ungeborenen Kindes. Während einer durchtanzten Nacht im berüchtigten Sex-Club KIT KAT kreuzen und entzweien sich hier die Wege einer rastlosen Clique im Sog der Großstadt. Eine rauschhafte Party bis zum Morgengrauen, die keiner von ihnen je vergessen wird ...

Kritik

Bei aller Liebe zur eigenen Stadt - der Verfasser dieser Kritik ist selbst liebender Berliner - hat es schon etwas Penetrantes, wie versessen einige Werke darauf sind, eine Liebeserklärung an die Hauptstadt darzustellen. Das endet meistens in Plattitüden, die ästhetisch wie inhaltlich aus der aktuellen Berliner Pilsener- Werbung stammen könnten. Da sieht man ein paar gutaussehende Menschen, die zusammen im Park bei einem Kasten Bier den Sommer genießen, ein paar nette Szenen zur Gender Diversity und natürlich darf auch nicht das Nachtleben fehlen, das am wichtigsten für das Lebensgefühl einer Stadt zu sein scheint. Letzterem widmet sich Night Out - Alle feiern nackt! und stellt ein Paradebeispiel für leere Filme dieser Art dar. Und das obwohl gerade die Party-Szene inhaltlich recht ergiebig ist. Man könnte aufzeigen, inwiefern sie eine befreiende Wirkung für ihre Anhänger hat, inwiefern sie als krankhaftes Symptom einer überlasteten Gesellschaft gewertet werden kann und wo der Spaß aufhört und es ins Eskalative und Geschmacklose ausartet. 

Im vergangenen Jahr dominierte der Song "Was Du Liebe nennst" von Bausa die Charts über einen beträchtlichen Zeitraum, was verständlich erscheint, drückt er doch eine Sehnsucht aus, die in der Party-Szene gestillt werden kann. Es geht in dem Song darum, Liebe erfahren zu können, die keine wahrhaftige ist. Die Illusion von Liebe befriedigt jedoch ein Stück weit die Sehnsucht nach der echten Liebe. Die kann bspw. in bedeutungslosem Sex nach einer wilden Nacht gewonnen werden. Derartige Gedankengänge  (oder bessser: eine derartige Ästhetik), die bei "Was Du Liebe nennst" sicher auch nur impliziert werden, wären verfolgenswert gewesen. Stattdessen entscheidet sich der Film dafür, nur wenig über diese Szene auszusagen. Die Hintergrundgeschichten der einzelnen Charaktere werden nicht in eine vielschichtige kausale Verbindung mit dem Feiern gebracht, die über die Suche nach Spaß und sexueller Innovation hinausragen. Sie scheinen davon gänzlich losgelöst, als wäre es ein essentieller Zufall, dass am Ende alle Charaktere im KitKat landen. 

Die dortigen Aufnahmen sind zum Teil recht atmosphärisch geraten, nutzen sich jedoch schnell ab und können den Film kaum mehr als ein paar Minuten tragen. Die inhaltliche Leere, die hinter den gänzlich unerotischen Sexszenen und den pulsierenden Leibern steht, erscheint zu erdrückend. Auch die Hintergrundgeschichten und Dialoge wissen nicht zu begeistern. Im Vordergrund scheinen nicht die Charaktere zu stehen, sondern vor allem die Schauplätze "KitKat" und "Berlin", vor dessen Hintergrund sie stattfinden. Berlin wird dabei auf betrunkene Jugendliche auf dem Spielplatz, abendliches Chillen vor dem Späti oder lange Schlangen vor den Clubs reduziert. In den Dialogen und den Bildern wird kommuniziert, dass man sich dieser Stadt hingeben muss, dass man sie erleben muss und wenn man das nicht tut, dann ist man eben ein Langweiler. 

Night Out - Alle feiern nackt! ist demnach weder inhaltlich noch formell sonderlich interessant. Die Ästhetik erscheint monoton und schon ab dem Vorspann möchte uns der Film sein plattes Bild von Berlin und der Party-Szene vermitteln: Hier ist jeder willkommen, jeder kann Spaß haben und jeder kann etwas finden...wenn er nur will. Dass das nicht so leicht und auf diese Art und Weise wohl auch nicht für jeden wünschenswert ist, ignoriert der Film. Er kreist sich dauerhaft um sich selbst und ist wohl nur für jene Zuschauer interessant, die ihr vorgefertigtes Bild von Berlin als die eine Stadt mit dem großen Nachtleben bestätigt sehen wollen. Da kann man allerdings genauso gut am Sonntag auf Instagram nach den Hashtags "Monbijoupark" und "Mauerpark" suchen, sich im Fernsehen die eine oder andere Folge GZSZ ansehen und vielleicht noch ein paar Aufnahmen aus einem Club beimischen und erhält ähnlich leere Eindrücke. Der vermeintliche Lifestyle, der sich hinter dem modernen Berlin befinden soll, wird ebenso wenig wie die Party-Szene reflektiert, verstanden und kritisch betrachtet.

Fazit

"Night Out - Alle feiern nackt!" findet keine Inhalte, keine Reflexionsflächen, auf der Oberfläche der der Party-Szene Berlins. Wir entwickeln weder ein Verständnis, noch eine Sogkraft oder Abneigung. Wir empfinden pure Langeweile, die lediglich durch ein paar ästhetisch interessante Szenen durchdrungen wird, jedoch nicht über eine lange Haltbarkeit verfügen. 

Autor: Maximilian Knade
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