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Inhalt

Am Abend ihres 52. Geburtstags verkündet die Literaturlehrerin Manana ihrer völlig überraschten Familie, dass sie Raum für sich benötigt und daher ausziehen wird - nachdem sie 30 Jahre lang mit ihrem Mann verheiratet ist und zusammen mit diesem, ihren Eltern und ihren zwei erwachsenen Kindern samt einem Schwiegersohn in einer Drei-Zimmer-Wohnung in Tbilisi lebt. Zunächst nimmt die Familie Mananas Entscheidung nicht ernst. Doch als diese tatsächlich ihren Koffer packt und geht, sind alle geschockt und fassungslos: Wohin will sie denn gehen? Wer hat sie dermaßen aufgeregt? Manana ist doch bereits jenseits des "Scheidungsalters" und hat einen guten Ehemann, der weder trinkt, noch Drogen nimmt oder sie schlägt...

Kritik

Emanzipations-Filme haben oftmals eine Angewohnheit, ausschließlich Verständnis für die Protagonistin zu haben. Es ist dabei egal, wie sie mit ihren Mitmenschen umgeht, es geht schließlich nur um sie.  Ganz nach dem Motto „Schäme dich nicht, dass zu tun, was dir gut tut“ wird da fremdgegangen, werden die eigenen Kinder verstoßen und ein pubertäres Rebellions-Verhalten an den Tag gelegt. In den schlimmsten Fällen erfolgt ein billiger Versuch, die Verhältnisse umzudrehen und den Mann zu degradieren. Derartiges trägt nun leider gar nichts zur Problematik bei, sondern spitzt den Konflikt in dem Bruch mit dem Konservatismus nur zu. Moderne feministische Theoretiker würden das nun damit legitimieren, dass es aufgrund struktureller Verhältnisse keinen Sexismus gegenüber Männer geben könne. Dass Sexismus jedoch nicht nur auf struktureller, sondern ebenso auf interaktioneller Ebene stattfindet, bedenken sie nicht. Der letzte Film, der an diesem Gedankengut scheitern musste war Ghostbusters, weil er eben keinen echten Feminismus betreibt, sondern nur umgekehrten Sexismus.

Meine glückliche Familie ist ein feministischer Film und zwar keiner, der sich der oben beschriebenen Ideologie anschließt, sondern glücklicherweise wirklich einer, der problematisiert und keine neuen Probleme schafft. Ia Shugliashvili spielt sich als Manana wunderbar durch die verschiedenen Eskapaden einer Frau, die sich aus jeglichem gesellschaftlichen Zwang und Vorschriften innerhalb der Kultur-Gemeinde befreien möchte, die dabei menschlich bleibt und nicht direkt die ganze Gesellschaft brennen sehen möchte, sondern lediglich ihrem eigenem Instinkt folgen möchte. Ihr Weg wird glaubhaft skizziert, mit allen Meilensteinen und Rückwürfen, mit all ihrer Angst, aber auch mit all ihrer Hoffnung. Sie stellt eine Frau dar, die sich nicht rechtfertigen möchte, die sich selber entwickeln möchte und ein eigenständiges, dennoch vernünftiges Leben führen möchte.

Wirklich interessant ist der Film jedoch deshalb, weil er sich nicht nur auf die Gefühle seiner Protagonistin einlässt, sondern ebenso auf die Empfindungen des Konservatismus, mit dem sie brechen möchte. Zwar erscheinen manche Darstellungen ein wenig eindimensional und werden auf ein „Was sollen denn die anderen von uns denken?“ reduziert, aber dennoch zeigt der Film relativ unverblümt, was die Entscheidung der Protagonistin mit der Familie anstellt, wie überfordert sie von der Situation ist und wie hart es ist, sich in jemand anders denkenden hineinzufühlen. Manana versetzt die Familie jedoch nicht nur in einen Schockzustand, sondern nimmt eine Vorbildfunktion für ihre Kinder ein, versucht sie dazu zu inspirieren, ihre Träume zu verfolgen und sich nicht zu einem determinierten Leben hinreißen zu lassen.

Die Inszenierung von Nana Ekvtimishvili (Die Langen Hellen Tage) und Simon Groß (Fata Morgana) fällt dabei recht neutral und dokumentierend aus. Es geht ihnen nicht darum ein politisches Statement zu setzen oder eine pädagogisch wertvolle Moral zu vermitteln, sondern viel mehr darum zu problematisieren. Einen Konflikt, wie es ihn unserer heutigen Zeit wohl immer wieder gibt, in seiner vollen Gänze darzustellen. Und das gelingt wunderbar und funktioniert vor allem deshalb so gut, weil an einer Familie im Kleinen deutlich wird, wie die Gesellschaft funktioniert. Manana steht dabei für die Frau, die sich aus ihren Jahrhunderte anhaltenden Normen befreien möchte und die Familie für die Gesellschaft, die mit eben diesem Befreiungsschlaf maßlos überfordert ist und damit leben muss. Hier ist dann Toleranz und Integrationsbereitschaft von beiden Seiten gefragt, wenn man den Kontakt, an dem beiden Seiten durchaus etwas zu liegen scheint, aufrecht erhalten möchte.

Fazit

„Meine glückliche Familie“ beschäftigt sich mit einem feministischen Befreiungsschlag, aus einer Gesellschaft, die vom kulturellen Konservatismus geprägt ist. Feinfühlig werden dabei der Weg der Protagonistin zu einer eigenständigen Existenz und die Einflüsse auf ihr noch immer konservativ geprägtes Umfeld dargestellt. Nana Ekvtimishvili und Simon Groß ist dabei ein unheimlich menschlicher Film geglückt, der ein Problem neutral als ein solches anerkennt, ohne grobe Schuldzuweisungen zu tätigen. Das ist genau das, was das feministische Kino braucht.

Autor: Maximilian Knade

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