4.3

MB-Kritik

Mamma Mia: Here We Go Again! 2018

Comedy, Musical

4.3

Lily James
Amanda Seyfried
Meryl Streep
Dominic Cooper
Pierce Brosnan
Stellan Skarsgård
Christine Baranski
Colin Firth
Cher
Julie Walters
Jeremy Irvine
Andy García
Josh Dylan
Hugh Skinner
Celia Imrie
Jessica Keenan Wynn

Inhalt

Nach dem musikalischen Kino-Superhit "Mamma Mia" von 2008 folgt jetzt endlich die lang erwartete Fortsetzung - selbstverständlich ebenfalls im unsterblichen Rhythmus der ABBA-Songs. Die Stars versammeln sich erneut auf der griechischen Insel Kalokairi, denn hier wird das zu Herzen gehende neue Kapitel der Geschichte aufgeschlagen

Kritik

Es gibt verschiedenste Arten von Lächeln und manchmal erkennen wir deren Unterschiedlichkeit auch nur deswegen, weil wir vermuten etwas anderes darunter zu sehen. Wie oft hat man im Alltag doch das Gefühl, dass ein Lächeln "falsch" ist, dass ein Lächeln süffisant oder bemitleidend gemeint ist. Es gibt erdenklich viele Botschaften, die man hinter einem Lächeln sehen kann. Und auch wenn Mamma Mia: Here We Go Again! versucht seine Mundwinkel so weit nach oben zu reißen, dass das breite Grinsen dem des Jokers gleicht, erkennen wir auch dass hinter diesem dauerhaften Grinsen gar keine perfekte heile Welt steckt.

Schon der erste Teil schien so zu funktionieren und so müsste man meinen, dass sich diese Kritik erledigt haben könnte, wenn man einfach eine Empfehlung für die Liebhaber des ersten Filmes aussprechen würde. Jedoch gibt es einen feinen Unterschied zwischen dem ersten Teil und seinem Sequel, worauf im Folgenden noch eingegangen wird. Zuerst sollte man jedoch klären, was den ersten Teil auszeichnete. Dieser wollte unbedingt ein Feel-Good-Film sein und hat nicht verstanden, dass ein gutes Gefühl nicht durch eine radikal übermäßige Betonung der Heiterkeit entsteht, sondern durch den gut ausgewogenen Kontrast zwischen Ernsthaftigkeit und Heiterkeit: Ein Essen wird schließlich auch nicht gut, wenn man den gesamten Inhalt eines Salzstreuers darüber leert, einen Freund heitert man nicht dadurch auf, dass man gar nicht auf das von ihm Erzählte eingeht und einen Joke nach dem anderen reißt, und ein Film vermittelt kein gutes Gefühl, wenn er das in jeder Sequenz zwanghaft erreichen möchte. 

Was den ersten Teil in gewissermaßen noch besonders gemacht hat, war der Umgang mit den Songs. Die Werke von Abba wurden in ihrer sommerlichen Leichtigkeit, die oftmals von seichter Melancholie durchzogen ist, begriffen. So wusste man immerhin, welche Knöpfe man drücken muss, um dem einen oder anderen Zuschauer ein dahinschmachtendes "Hach!" zu entlocken. Dennoch war natürlich auch Mamma Mia! kein guter Film, weil er eben kein wirklich gutes Gefühl vermittelt, sondern lediglich ein Manipulatives und damit leicht zu konsumieren ist. Das ist ungefähr so befriedigend wie ein Essen bei McDonald´s: In dem Moment scheint es zu munden, hält jedoch nicht lange vor und am Ende des Tages hat man das Gefühl, man hat etwas Unehrliches konsumiert. 

Doch was unterscheidet die beiden Filme? Beide entziehen sich allem, was im Ansatz anstoßen könnte, was diskutabel und bewertbar erscheint: So sehen wir die junge Dona (Lily James, Baby Driver) in der aktuellen Fortsetzung in zahlreichen Liebesaffären. Interessant ist, dass wir hier keine Erotik sehen, kaum Küsse, wenig Gefühl. Verwirrend, möchten uns die Filme doch immer wieder vor die Nase reiben, wie emotional sie doch sind. Das liegt vor allem daran, dass beide Filme bemüht sind, ihre reaktionäre Ideologie zu verheimlichen. Beide sind unheimlich prüde in ihrem teils sehr kindischen Humor, in der vermeintlichen Leichtigkeit, die eine heile Welt suggerieren soll. Doch ist die Welt wirklich so heil?

Schaut man sich Mamma Mia! an, könnte man davon ausgehen. Und darum kann er Zuschauer, die Derartiges erwarten, auch befriedigen. Mamma Mia: Here We Go Again! lässt jedoch immer wieder durchblicken, dass die heile Welt gar nicht so heil ist. Immer wieder gibt es Momente, in denen ein Sturm aufzieht und eine Feier zu ruinieren scheint, in denen Dona andeutet, das eigene Sexleben zu reflektieren und Beziehungen vor dem Abgrund zu stehen scheinen. Diese Momente sind natürlich nur schwach ausgearbeitet, tragen jedoch das Potential in sich, hinter die erlogene Fassade blicken zu lassen. Auch wenn sie inhaltlich nicht zu einem klaren Gedankengang taugen, reißen sie doch ein Loch in den vermeintlichen Feel-Good-Film. Der Zuschauer merkt, dass irgendetwas nicht stimmt, jedoch nur in einem solchen Ausmaß, dass der Genuss getrübt wird, nicht einem solchen, in dem er wirklich zum Nachdenken angeregt wird.

Gehen wir auf den Film Matrix zurück, in dem Neo (Keanu Reeves, Destination Wedding) die Wahl zwischen den beiden Pillen hat, wobei die ersten einen in dem fremd konstruierten, aber einigermaßen seichten Leben lässt und die andere einen Aufwecken und die harte Realität erkennen lässt. Beide Pillen können jedoch nur im Absoluten funktionieren: Verbleibt man in der konstruierten Welt, darf es keine Aussetzer geben, in denen es für eine Sekunde möglich ist, hinter das Konstrukt zu schauen. Mamma Mia! ist da konsequent, das Sequel nicht. Es erlaubt uns immer wieder irretierende Blicke hinter die Fassade, die keinen wirklichen Mehrwert in sich tragen und den vermeintlichen Genuss mindern. Vielleicht tragen sie aber auch genau darin ihren Wert: Der Zuschauer erkennt, dass diese "heile Welt" ihn nicht glücklicher macht. 

Fazit

Mit "Mamma Mia: Here We Go Again!" ist eine ziemlich uninteressante Fortsetzung zu einem schon wenig beglückenden Vorgänger inszeniert worden, die aber diesmal aufgrund mangelnder Konsequenz in der Umsetzung wohl auch Fans eher gelangweilt den Kinosaal verlassen lassen sollte. 

Autor: Maximilian Knade
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