2.8

MB-Kritik

Hot Dog 2017

Action, Comedy

2.8

Til Schweiger
Matthias Schweighöfer
Anne Schäfer
Lisa Tomaschewsky
Joachim Paul Assböck
David Brückner
Simson Bubbel
Thomas Fehlen
Heino Ferch
Samuel Finzi
Leigh Gill
André Hennicke
Ramona Kunze-Libnow
Joan Pascu
Paula Paul
Helena Pieske

Inhalt

Gegensätze ziehen sich an - wie Theo und Luke. Während der Eine die Dinge mit den Fäusten klärt, löst der Andere sie mit seinem Grips. Und doch versuchen der ehemalige GSG 10-Polizist und einer, der bisher nur von der Spezialeinheit träumte, im Alleingang die entführte Tochter des moldawischen Botschafters zu befreien. Ohne Rücksicht auf Verluste und eine Schneise der Verwüstung nach sich ziehend, zerschlagen sie ein Netz aus Intrigen: Denn hinter der Entführung steckt viel mehr als eine bloße Lösegeldforderung.

Kritik

Hot Dog wird von Kritikern verrissen, wird im Internet so dargestellt, als wäre er ein neuer Tiefpunkt der deutschen Komödien, dabei ist das mitnichten der Fall. Sicherlich ist dem  Duo hier kein guter Film geglückt, aber es ist wohl auch nicht der schlechteste, aber mit Sicherheit ist es der belangloseste. Während man Zweiohrküken, Schlussmacher oder What A Man noch unterstellen könnte, dass die Macher eine gute romantische Komödie schaffen wollten, man Frau Ella und Honig im Kopf eine emotionale Qualität bzw. Intention anrechnen kann, steckt hinter diesem Film nun nichts mehr als Dienstleistung nach Schema F.  Nun müssen wir uns doch fragen, ob das so schlimm ist. Sicherlich könnte dieser Film künstlerisch nicht belangloser sein, aber das kommuniziert er ja schon in seinem Trailer, der den Film wunderbar repräsentiert. Dieser Trailer sucht sein Publikum und jeder der dem  etwas abgewinnen kann, der wird auch bei Hot Dog seinen Spaß haben.

Welche Gags waren in Komödien der 2010er immer ein scheinbar funktionierendes Stilmittel? Sex- und Fäkalhumor, einfach weil er am meisten über die Stränge schlägt, weil er am ehesten Schauwerte bietet und weil er dem Zuschauer eine vermeintliche Erotik suggeriert. Hier sieht man zum Beispiel Nicki, die von der Nora Tschirner (Gut zu Vögeln) recht ähnlich sehenden Anne Schäfer (Die geliebten Schwestern)  dargestellt wird, wie sie an einem Eis lutscht. Und das nicht einmal auf sonderlich sinnliche Art und Weise, sondern eher so grobmotorisch, dass wohl kein Mann sein Vergnügen an der angedeuteten Tätigkeit haben würde. Und dennoch hat in der Kinovorstellung ein nicht unerheblicher Anteil des Publikums nahezu obligatorisch gelacht. Warum? Wenn man als Kind nach dem Sinn hinter solchen Gags gefragt hat, dann hat man häufig die unbefriedigende Antwort bekommen, dass es sich um „Erwachsenenwitze“ handele. Als man bei Anbeginn der Pubertät angefangen hat, diese Witze zu verstehen, hat man sich dann besonders cool gefühlt. Es ist das Pubertäre in uns, das einigen von uns noch immer den Eindruck vermittelt, man müsse hier lachen.

Dieser Film ist voll von derartigen Gags und zu denen kann man auch nicht sehr viel mehr sagen, außer dass sie eben funktionieren oder nicht. Rein strukturell handelt es sich hierbei um sehr schlechte Gags, weil sie von derartiger Einfachheit sind, dass die Pointe kaum zwei Sekunden auf sich warten lässt. Und dennoch bedienen sie ein gewisses Publikum und das trifft auf den gesamten Film zu, der weniger komplex kaum sein könnte, aber in jedem Punkt auf ein gewisses Publikum abgezielt ist. Der Soundtrack besteht beispielsweise fast nur aus Chartmusik und hinterlegt nahezu wahllos die einzelnen Szenen. Auch hier stellt es gar keine künstlerische Herausforderung dar, eine Szene mit nicht anstößiger Musik, die fast jeder kennt und jeder irgendwie auch verdauen kann, zu hinterlegen. Wieder zielt der Film darauf ab, bekömmlich Sehgewohnheiten zu befriedigen, ohne sich in irgendeiner Form in ein vages Terrain zu begeben. Man scheint vor Augen eine Checkliste zu haben, auf der Klischees und Gags gelistet sind, die sich scheinbar bewährt haben, und die jetzt nacheinander abgehakt werden.

Das Product Placement ist hier nicht im Ansatz subtil zu finden, sondern wird einen direkt vor die Nase gehalten. Der Film gibt sich hier nicht einmal der Illusion hin, seine Produktplatzierungen zu verstecken, im Gegenteil: er thematisiert diese auch noch. So ist zum Beispiel die Titel gebende Szene eine Produktplatzierung für McDonalds. Die Produktplatzierung ist also Teil des Plots, der nebenbei beginnt wie der einer klassischen Buddy-Komödie, dann aber seinen roten Faden derartig verliert, dass man im letzten Drittel nur noch im Kopf hat, dass Til Schweiger (Kokowääh) und Matthias Schweighöfer (Russendisko) irgendwie hinter den bösen Jungs hinterher sind. Aber das ist auch gar nicht weiter störend, denn darum geht es in diesem Film gar nicht, es geht darum eine Sehgewohnheit zu befriedigen. So ist es auch nicht verwunderlich, dass  Schweighöfer mit Theo einen verpeilten, aber trotzdem irgendwie sympathischen jungen Mann spielt, und Schweiger mit Luke einen knallharten und wortkargen Mann verkörpert. Beide bleiben also in ihren Klischees.

Nun regen sich die Kritiker über diesen Film auf und das sagt in manchen Belangen mehr über sie, als über den Film aus. Hot Dog ist sicherlich keine Schande für das Kino, dafür bekennt er sich einfach zu wenig und vertritt keine eigenständige Ideologie, außer eben eine kapitalistische, dass man dem Zuschauer etwas gibt, wonach er scheinbar verlangt und dafür Geld verdient. Diese Ideologie spüren wir bei dem Film ganz stark, die spüren wir aber auch bei der nächsten Marvel- Verfilmung, beide sind wohl eher aus einem finanziellen als aus einem künstlerischen Interesse entstanden. Dennoch werden sich wohl beide, eben weil sie nicht anstoßen wollen, davor hüten bewusst eine fragwürdige Ideologie einzunehmen und das ist es doch was Filme zu ärgerlich erscheinen lässt. Hot Dog ist einer dieser Dienstleister-Filme, die eben nicht so gut funktionieren. Aber sollte man ihn deswegen beschimpfen?

Schaut man sich zum Beispiel die Fack Ju Göhte- Filme an, so erkennt man dahinter ein ideologisch fragwürdiges Konstrukt. So generalisiert der erste Teil die komplette Jugend und den Bildungsapparat, der zweite Teil spricht sich gegen jede Form von Individualismus aus und der dritte Teil spinnt das Ganze noch weiter und führt einen elitären Gedanken an, der praktisch suggeriert, dass man wertlos ist wenn man eben nicht den akademischen Weg wählt. Das macht einen Film ärgerlich, aber hier bekennt der Film nicht einmal diese Haltung, er plätschert einfach nur vor sich hin und versucht dabei ein gewisses Publikum zu befriedigen. Problematisch für den Film ist dabei nur, dass selbst dieses Publikum scheinbar vom Aussterben bedroht ist, so läuft es für den Film ja verhältnismäßig nicht sonderlich gut an den Kinokassen.

„Kunst wäscht den Staub des Alltags von der Seele“, sagte Pablo Picasso einst. Diese Umschreibung zeigt eigentlich wunderbar, warum dieser Film leider auch als Dienstleister nicht sonderlich viele Qualitäten mit sich bringt. Die unmotivierten Aufnahmen der Hauptstadt und die Alltagssituationen bei McDonalds, mit einem nahezu komplett den Charts entspringenden  Soundtrack beigemischt, sind einfach zu nah an unserem Alltag. Hier gibt es eben nicht dieses Gefühl, dass man dem echten Leben ins Kino entflieht, sondern man hat eher das Gefühl man wird mit den Banalitäten des zeitgenössischen Alltags weiterhin konfrontiert. Denn überraschende Schauwerte gibt es hier kaum zu bewundern. So hat man selbst mit Til Schweiger und Matthias Schweighöfer in ihren Rollen als Sonderkommando das Gefühl man trifft zwei alte Bekannte, die eben so sind wie sie sind. Also selbst die Action-Szenen von Schweiger bringen keine Abwechslung, sie wirken viel zu gewohnt.


Fazit

Sich über „Hot Dog“ Tage und Wochen aufzuregen ist ein wenig so, als würde man in der Schule jemanden mobben, nur weil er einen schlechten Witz gemacht hat. Ja, es handelt sich hier um einen vermutlich finanziell motivierten Dienstleister-Film. Ja, die Gags könnten einfacher nicht sein. Und ja, es handelt sich hierbei auch um einen schwachen Film. Aber was jetzt so schockierend, so ärgerlich, so schlimm an diesem Film sein soll bleibt unklar. 

Autor: Maximilian Knade
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