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Quelle: themoviedb.org

Inhalt

Deutschland, 1952: Die Kriegerwitwe Anna Kaminski lebt in der Ostzone, um sich dort um die Großeltern zu kümmern. Ihren dreijährigen Sohn musste sie damals bei den Schweigereltern im Westen zurücklassen. Um ihr Kind ab und zu mal sehen zu können, schleicht sie sich regelmäßig für ein paar Stunden über die Grenze, was sie jedesmal mit dem Leben bezahlen könnte. Der westdeutsche Grenzpolizist Carl Altmann hilft ihr schließlich, ihren Sohn in den Osten zu bringen. Anna und Carl verlieben sich ineinander, was die Sache noch mehr verkompliziert.

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Quelle: themoviedb.org

Kritik

Schon eine differenzierte, filmische Aufarbeitung der deutschen Rolle im Zweiten Weltkrieg war für das Kino der noch jungen Bundesrepublik in den 50er Jahren selten und mit einer unverzichtbaren Kontroverse behaftet. Aber dort sprach man wenigstens über etwas, dass vergangen war. Eine Narbe, mit der man im Vergleich eventuell besser umgehen konnte als mit der noch ganz frischen Wunde der deutschen Teilung, die besonders die Menschen in der Ostzone vor eine ungewisse Zukunftsperspektive stellte. Fast schon ein Tabuthema. Zumindest eines, dem man sich nicht wirklich annehmen wollte. Helmut Käutner (Des Teufels General) verfasste das Drehbuch zu Himmel ohne Sterne bereits 1952 (weswegen dieses als Jahr der Handlung auch explizit erwähnt wird), konnte es aber erst drei Jahre später realisieren. Zu einer Zeit, in der sich das Publikum des Wirtschaftswunderlandes lieber mit seichter Heile-Welt-Unterhaltung berieseln lassen wollte als sich auch noch im Kino mit dem auseinanderzusetzen zu müssen, was sie hinter ihrem neugewonnenen Wohlstand krampfhaft versuchten auszublenden.

Anna (Eva Kotthaus, Die Geschichte einer Nonne) lebt in einer kleinen Stadt in Thüringen, direkt an der deutsch-deutschen Grenze. Oft genug hat sie sich schon in den Westen gepirscht, denn es sind noch nicht überall Sperrzäune errichtet. Lediglich Schilder als Warnung und patrouillierende Grenzpolizisten stehen ihr an ausgewählten Schleichpfaden im Wege, was dennoch lebensgefährlich ist. Anna hat jedoch gar nicht vor „rüber zu machen“, kehrt nach wenigen Stunden wieder zurück. Denn dort muss sie sich um ihren Großvater und die nach dem Bombardement auf Dresden – bei dem auch ihre Eltern umkamen - schwer traumatisierte Großmutter kümmern. Sie will in dem fränkischen Grenz-Dorf Oberfeldkirchen lediglich ab und zu ihren drei Jährigen Sohn Jochen besuchen. Jochen’s Vater fiel im Krieg, noch bevor er und Anna heiraten konnten. Völlig überfordert und von ihren Schweigereltern in spe übervorteilt ließ sie den Jungen „zu seinem Wohl“ bei ihnen im Westen zurück, bereut diesen Schritt allerdings Tag für Tag. Als sie bei ihrem jüngsten Besuch bittet, den Jungen mit zu sich zu holen, wird sie gnadenlos abgeschmettert. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion türmt sie mit Jochen und bekommt unverhoffte Hilfe: Vom westdeutschen Grenzpolizist Carl (Erik Schumann, Ein Stück vom Himmel), dem sie schon beim Hinweg begegnete. Diesmal drückt er nicht nur ein Auge zu, sondern leistet mit dem befreundeten LKW-Pendler Willi (Georg Thomalla, Die Lümmel von der ersten Bank) aktiv Fluchthilfe. Sie verlieben sich und immer wieder wagen beide den immer riskanter werdenden Gang über die Grenze, denn die lückenlose Absicherung nimmt rasant zu. Sie müssen eine Entscheidung treffen, die in jedem Falle Verzicht erfordert.

Helmut Käutner’s vielfach ausgezeichnetes Drama verwendet nicht etwa den damals brandaktuellen, schwierigen politisch-gesellschaftlichen Hintergrund als Staffage für eine melodramatische Romanze, sondern nutzt die tragische Liebesgeschichte nur um noch deutlicher auf die schweren Auswirkungen hinzuweisen, die die deutsch-deutsche Spaltung für so viele Einzelschicksale mit sich brachte. Himmel ohne Sterne verkommt dabei niemals zum einseitigen Politikum oder gar Propagandawerk; verurteilt keinesfalls eine der Staatsformen oder ihre Hintergründe; stellt nicht das Eine über das Andere. Er ist vollends an den Menschen interessiert, die sich mit dieser unmenschlichen Situation zurechtfinden müssen. Es wird nicht zwischen Ost- und West-Deutschen unterschieden, allerdings durchaus kritisch die gesamtdeutsche Stimmungslage durchleuchtet. So finden sich immer wieder Rechtfertigungen der „Alten“ wieder, wenn betont wird, dass sie den Krieg oder die Grenze nicht zu verantworten haben. „Was haben wir denn getan? Waren wir schlechter als die Anderen?“ will Anna‘s Schwiegervater – der dem Aufschwung sei dank nun bald zur Oberschicht gehörende Lebensmittelhändler – rhetorisch von seiner Frau wissen. Darin steckt viel Aussagekräftiges über eine Gesellschaft, der der Schrecken wie auch die Schuld noch in den Knochen steckt und sich krampfhaft versucht nicht mehr mit unbequemen Dingen auseinandersetzten zu müssen. Obwohl direkt vor ihrer Haustür, teilweise in der eigenen Familie, der Krieg noch längts nicht vorbei ist, nur eine andere Form angenommen hat. Die nicht minder grausamer ist als zuvor, die sich jedoch besser ignorieren lässt.

Fazit

Mit „Himmel ohne Sterne“ gelingt Helmut Käutner nicht nur ein berührendes wie sensibles Melodram, sondern viel mehr eine präzise, für seine Zeit demaskierend mutige und ehrliche Gesellschaftsstudie, dessen Relevanz für die damalige Zeit kaum höher beurteilt werden kann. Selbst heute noch ein bewegender und ungemein wichtiger Film. Eine wahre Sternstunde des deutschen Nachkriegskinos.

Kritik: Jacko Kunze

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