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Der legendäre Hercules führt seine Söldner und die Armee von König Cotys in die Schlacht um Thrakien. Sie wollen das Reich vom teuflischen Centaur Rhesus befreien, der das Land in einem blutigen Bürgerkrieg in Schutt und Asche gelegt hat. Ihr Ziel: den rechtmäßigen Throninhaber Cotys wieder an die Macht bringen. Doch Hercules, halb Mensch, halb Gott, ahnt nicht, dass Cotys ein doppeltes Spiel mit ihm treibt. Sein größter Kampf, der alles von ihm fordern und seine sagenumwobenen Fähigkeiten auf die Probe stellen wird, steht unmittelbar bevor...

Kritik

Wenn Uwe Boll einen neuen Film herausbringt, dann ist das Echo immer dasselbe. Egal ob Horror, Action oder Kriegsfilm, das neuste Werk von ihm wird bereits vor der Sichtung mit Häme überzogen. Anders ist es z.B. mit Martin Scorsese. Sobald dieser seinen neuen Film auf die Zuschauerschaft loslässt, werden bereits Vorschusslorbeeren in Form eines Bombenteppichs abgeworfen. Dann gibt es aber noch Brett Ratner. Wohl kein anderer Blockbuster-Regisseur hat sich über die Jahre einen solch redundanten Ruf aufgebaut wie er. Nicht dass jeder Film von Ratner schlecht wäre, nein, vielmehr ist Ratner der Mann in Hollywood für das gepflegte, hochbudgetierte Mittelmaß. Natürlich, sein Remake von Michael Manns „Blutmond“, „Roter Drache“, die Heist-Komödien „After the Sunset“ und „Aushilfsgangster“ generieren unkomplizierte Unterhaltung, aber wirklich langfristige Spuren im Sand der Filmgeschichte hat Ratner bisher nicht hinterlassen. Er ist ein Routinier, ein Auftragsarbeiter. Technisch ohne wirkliche Tadel, aber leider meist irgendwie seelenlos. Die eigene, erkennbare Note, sie fehlt ihm einfach. Dass Brett Ratner nun das Regiezepter bei „Hercules“ in der Hand hielt, ließ darauf schließen, dass uns am 4. September einfach nur ein weiterer Blockbuster erwartet. Im Grunde ist dies auch richtig, aber „Hercules“ beinhaltet doch mehr als bloß Sandalen-Action im antiken Griechenland.

Hinter dem Buhei der Kämpfe und Special Effects (die des Öfteren deutlich als diese zu erkennen sind) verbirgt sich eine Auseinandersetzung zum Thema Heldentum. Wenn Herkules zu Beginn gigantischen Fabelwesen den Gar ausmacht, sieht alles noch nach handelsüblicher Fantasyware im antiken Griechenland aus. Doch recht schnell durchleuchtet der Film die heroischen Taten: Ist Herkules wirklich ein Halbgott, der Sohn des Zeus, oder vielleicht doch nur ein Mensch? Das Hinterfragen von Herkules Heroisierung nimmt einen gewichtigen Punkt innerhalb des Spektakels eins. Das hat zur Folge, dass der angebliche Göttersohn meist doch nur gegen Menschen und seine eigenen Selbstzweifel zu kämpfen hat. Das Ringen mit seinen inneren Dämonen und die schrecklichen Schatten aus seiner Vergangenheit helfen dabei die thematische Ausrichtung des Films zu formen, was aber keinesfalls bedeutet, dass die Zerrissenheit des Helden emotional wirklich bewegt. Im Kern ist und bleibt „Hercules“ dann doch einfaches Hollywood-Kino. Zum Glück bleibt die Frage wer Herkules nun eigentlich wirklich ist, stets - im Duktus des Unterhaltungskinos – essentiell in der Handlung verankert.

Der eigentliche Grund warum man als Zuschauer ins Kino geht, um „Hercules“ zu sehen, ist aber gewiss nicht die Sezierung des Heroismus, sondern ganz klar Hauptdarsteller Dwayne Johnson. Der Muskelprotz ist aktuell zweifelsohne einer der bekanntesten und beliebtesten Actionstars der Traumfabrik. Neben einen durchtrainierten Körper besitzt Johnson vor allem eines: Ausstrahlung. Dass er als Wrestler The Rock jahrelang die Sperrspitze des Mainstream-Wrestlings vertrat, macht sich für seine spätere Kinokarriere bezahlt. Dwayne Johnson besitzt eine Eloquenz und ein Charisma, wie es seit langem kein Actionheld mehr besaß. Oft wird er mit Arnold Schwarzenegger verglichen. Zugegeben, beide Männer geizen nicht mit Bi- und Trizeps, aber anders als der ewige "Terminator" ist Johnson darstellerisch auf einem höheren Level und besitzt etwas, was Schwarzenegger erst spät in seiner Karriere entdeckte: Selbstironie. Johnson hingegen kokettierte bereits in seinem dritten Spielfilm, der „Schnappt Shorty“-Fortsetzung „Be Cool“, mit seinem Image. Wenn aber der knallharte Actionstar verlangt wird, kann er selbstverständlich auch wieder in den Steroiden-Stoneface-Modus schalten, wie etwa in „Fast & Furious Five“ oder den leider gefloppten Rache-Film „Faster“. In „Hercules“ wird beides von Johnson verlangt: Der stiernackige Testosteron-Posterboy und der augenzwinkernde Actionheld. Das Ergebnis ist eine Figur, die zwar von einer eher schludrigen Dramaturgie einige Stolpersteine in den Weg gestellt bekommt, am Ende jedoch ganz klar eines der Highlights des Films ist. Der restliche Cast von „Hercules“ reiht sich brav hinter die Präsenz von Johnson ein. John Hurt („Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“) darf mal wieder den weisen, alten Mann/König spielen, während Ian McShane („Pirates of the Caribbean – Fremde Gezeiten“) als Seher den typischen Comedy-Sidekick mimen darf. Trotz dieser einfachen Schablonenmechanik funktioniert es. Die Konstellation der anderen Charaktere ist simple, fügt sich aber umstandslos in die Inszenierung ein. Insgesamt, trotz immenser Ideenarmut und einer eher schlampigen Charakterisierung, eine runde Sache. Obwohl es schon bedauerlich ist, dass mit Aksel Hennie („Jo Nesbøs Headhunters“) und Tobias Santelmann („Kon-Tiki“) zwei der besten skandinavischen Darsteller der Gegenwart verheizt werden.

Aber spätestens wenn es aufs Schlachtfeld geht, sind ungenutzte, darstellerische Ressourcen weitestgehend unwichtig. Dann zählt nur eines: Action! Davon hat Hercules selbstverständliches einiges zu bieten. Das Herzstück dabei ist eine Schlacht innerhalb eines kleinen Dorfes. Hier wird auch endgültig klar, dass Regisseur Ratner nicht die gegenwärtig populären Gewaltzelebrierungen im Nazi-Chic, „300“ und „300: Rise of an Empire“, zum Vorbild hat. Stattdessen beinhaltet die Heldengeschichte den wohligen Hauch von alten Sandalenfilmen, als Herkules in meist italienischen (Billig-) Produktionen gegen alles und jeden antrat, was der Kostümfundus zu bieten hatte. Visuell und technisch traut sich „Hercules“ zwar nicht an diese Vorbilder heran, der Geist von unkomplizierter Unterhaltung in Trash-Couleur ist aber allgegenwärtig. Dazu gelingt es dem Film durchaus, rabiate und überzeichnete Action zu präsentieren, verkommt aber niemals zur bloßen Todesorgie, wie die eben erwähnten Filme rund um die gnadenlosen Krieger von Sparta. Dass „Hercules“ in einer Zeit, in der das Blockbuster-Kino die Überlänge für sich entdeckt hat und gefühlt jeder zweite Film mindestens zweieinhalb Stunden braucht um zum Abspann zu kommen, seine Geschichte innerhalb von knackig-kurzweiligen 98 Minuten erzählt, verstärkt den herzlichen wie herrlichen Oldschool-Eindruck des Werks.

Um zwei Dinge noch einmal klar zu stellen: „Hercules“ bietet mehr als nur unreflektierte Krawall-Action und nähert sich der Heldengeschichte, für solche eine Art von Film durchaus hintersinnig an. Dennoch ist und bleibt es Kino-Massenware. Ein groß bebildertes Epos was nicht so stupide ist wie erwartet, am Ende aber eben doch nur hauptsächlich auf die Einhaltung von Schauwerten bedacht ist. Erzählerisch wäre also immens mehr aus dem Film herauszuholen gewesen, der auf einen Comic von Steve Moore basiert (der übrigens mit dem Film gar nicht zufrieden war und seinen Namen aus den Credits streichen ließ). Sei’s drum! „Hercules“ bietet ansehnliche Actionsequenzen, einen Hauptdarsteller der wie die Olive zum Feta passt und eine wirklich ausfüllende Inszenierung. Der andere Halbgottfilm, „The Legend of Hercules“, der im Frühjahr unsere Lichtspielhäuser heimsuchte und meist nur vernichtende Kritiken erhielt, hat gegen Ratners zehnten Kinofilm keine Chance.

Fazit

Mit „Hercules“ hat der deutsche Kinoherbst einen überaus guten Start gefunden. Dass die spaßige Actionsause in den Staaten am Box Office von Luc Bessons „Lucy“ geschlagen wurde, ist bedauerlich, denn Brett Ratner hat nicht nur seinen bisher besten Film abgeliefert, sondern auch einen Blockbuster der mit Ironie und einer, in die einfache Handlung eingebetteten, Thematik kurzweilige Unterhaltung beschert. Keineswegs ein göttlicher Film, aber ein überraschend empfehlenswerter.

Autor: Sebastian Groß

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