6.0

MB-Kritik

Game Night 2018

Mystery, Comedy, Crime

6.0

Jason Bateman
Rachel McAdams
Kyle Chandler
Sharon Horgan
Billy Magnussen
Lamorne Morris
Kylie Bunbury
Jesse Plemons
Michael C. Hall
Danny Huston
Chelsea Peretti
Camille Chen
Zerrick Williams
Joshua Mikel
R.F. Daley
John Francis Daley

Inhalt

Die von Max und Annie organisierten wöchentliche Spieleabende für Paare erreichen ein völlig neues Niveau, als Max' charismatischer Bruder Brooks eine Mordfall-Ermittlungsparty arrangiert - inklusive falscher Gangster und Pseudo-FBI-Agenten. Als Brooks dann gekidnappt wird, gehört das natürlich zum Spiel... oder? Doch als die sechs ehrgeizigen Spieler ihre Ermittlungen aufnehmen und verbissen um den Sieg kämpfen, begreifen sie allmählich, dass weder dieses "Spiel" noch Brooks selbst das sind, was sie zu sein vorgeben. Im Laufe dieser total chaotischen Nacht geraten die Freunde bis über die Ohren in einen Schlamassel, dem keiner von ihnen gewachsen ist, weil sie durch ständig neue Wendungen verblüfft werden. Da es keine Regeln, keine Punkte und auch keine Anhaltspunkte gibt, wer hier eigentlich die Finger im Spiel hat, könnte sich dieses Erlebnis zum größten Spaß aller Zeiten entwickeln... oder für alle das plötzliche Aus bedeuten.

Kritik

Der Begriff des „Spiels“ nimmt im Kapitalismus eine zweifelsohne zentrale Rolle ein. Denkt man einmal an Casinos und Wettbüros oder aber im Großen an Spekulationen an der Börse und an das spekulative Investieren großer Konzerne wird das sehr deutlich. Geld ist für viele Menschen etwas sehr Wertvolles, weil sie davon  ihr Leben finanzieren müssen. Für sehr reiche Menschen kann es aber auch durch die quantitative Verfügbarkeit an Wert verlieren. Dann wird Geld gerne zum Spieleinsatz für ganz unterschiedliche Dinge, die oftmals zur Reichtumsvermehrung dienen, wobei ein Verlust oftmals tragbar wäre. An diesen kapitalistischen Spielen nehmen also viele Menschen teil, die nichts zu verlieren haben und deren Gewinne auch eher schmunzelnd hingenommen werden. Durch die enorme Perspektive auf Reichtumsvermehrung nehmen aber auch oftmals weniger privilegierte Menschen an diesen Spielen teil, die dann sehr viel zu gewinnen, aber eben auch sehr viel zu verlieren haben.

Das ist sicherlich die klassische Form des kapitalistischen Spiels. Game Night konzentriert sich jedoch auf eine andere, viel elitärere Form des Spiels, in denen die Menschen zu Spielfiguren werden. Die Menschen verlieren hier also ihren Status als Subjekt und avancieren zum Objekt, das dem Vertreiben der Langeweile dient. Der Objekt-Status wird durch Aufnahmen von Spielfiguren und Spielbrettern wunderbar verdeutlicht. Die Langeweile soll hier durch das Ausreizen des Extremen gebrochen werden, und was könnte extremer sein als die eigene Existenz als Wetteinsatz? Dieser recht perfide Gedanke wurde in der Vergangenheit in vielen Filmen wie Hostel oder Die Tribute von Panem aufgearbeitet und trotzdem gäbe es zu diesem Thema, zu dieser dystopischen Szenerie, noch so viel zu sagen. Game Night deutet immer wieder in einzelnen Szenen an, dass er dieses Perfide am „Spiel“ gerne zum Thema machen würde, macht es jedoch selten und wenn dann auch nur sehr oberflächlich.

Stattdessen verliert sich der Film in zahlreichen Plot-Twist, in einer sehr rasanten Erzählweise und in dynamischen Szenen wie Verfolgungsjagden oder physischen Auseinandersetzungen. Dies soll vermutlich der Erhöhung der Spannung dienen, bewirkt jedoch das Gegenteil. Die Prämisse, auf die der ganze Film aufbaut, ist doch schon spannend genug, bietet doch genügend Potential, um da einen sehr interessanten Film zu kreieren. Dasselbe gilt auch für die Besetzung: Jason Bateman (Bad Words) und Rachel McAdams (Southpaw) sind zum Beispiel zwei Darsteller, die in der Vergangenheit schon unter Beweis gestellt haben, wie facettenreich sie spielen können, liefern aber hier aufgrund des teils oberflächlich ausfallenden Drehbuchs eine recht eindimensionale Performance ab. Hier versucht der Film in den Dialogen eine Situationskomik herbeizuzwingen, die aber zu zahm ausfällt und nicht den Finger in die inhaltliche Wunde drückt.

Diese seichte Subversivität, die hier auch sehr deutlich bezweckt wurde, verliert sich in diesem Wirrwarr leider komplett. Und noch schlimmer: Das Spiel bleibt nicht nur inhaltlich größtenteils uninteressant, sondern wird auch in der begrifflichen Struktur nicht näher beleuchtet. So hätte man, wenn man das Spiel schon nicht weiter in einen Kontext einordnet, zumindest mit der Beschaffenheit des Spiels, mit dem Perfiden arbeiten können. Ist es nicht auch psychologisch interessant, zu überprüfen, wieso der Begriff des „Spiels“, den wir mit Spaß, Freude und Kindheit, also mit dem „Guten“ assoziieren, auch im „Bösen“ so gut funktioniert? Doch darauf konzentrieren sich das Regie-Team John Francis Daley und Jonathan M. Goldstein (Vacation- Wir sind die Griswolds) leider nicht, sie fokussieren sich auf zahlreiche Wendungen im Drehbuch, die teils leider auch eher unlogisch und wenig faszinierend ausfallen.

Fazit

„Game Night“ hat ein gewaltiges Potential, was alleine schon auf die Thematisierung des „Spiels“ im wirtschaftlichen wie im eigentlichen Sinne zurückzuführen ist. Leider verliert sich der Film jedoch in seinen Twists und seiner zu hektischen Erzählweise und hat gerade im letzten Drittel keinen wirklichen Fokus mehr. Am Ende bleibt ein recht unbefriedigender Film, der weder große Unterhaltungswerte liefert, noch wirklich etwas zu sagen hat.

Autor: Maximilian Knade
Diese Seite verwendet Cookies. Akzeptieren.