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Mit einem neuen Leoparden schleicht sich unbemerkt ein Parasit in einem kleinen französischen Zirkus ein: Ein Urzeitwesen, das sich nichts sehnlicher wünscht, als endlich geboren zu werden – allein es fehlt die Mutter. Da kommt Yanka, die junge Dompteurgehilfin, gerade recht. Als sie wenig später Heißhunger auf Blut entwickelt, merkt sie, dass mit ihr etwas nicht stimmt: Sie ist schwanger. Ihr noch ungeborenes Baby teilt es ihr höchstpersönlich mit. Und auch, dass es Hunger hat…

Kritik

Mit Filmen wie High Tension, Inside, Frontier(s) oder Martyrs erregte das Terrorkino der „neuen französischen Härte“ vor etwa 15 Jahren auch international mächtig aufsehen. Davor schwappten eher selten waschechte Filme des Horrorgenres aus unserem Nachbarland herüber. Alain Robak’s 1989 entstandener Baby Blood kann beinah als Pionier bezeichnet werden, der es jedoch - auch aufgrund der damals natürlich radikalen Indizierungsmaßnahmen – nie über den Status eines Video-Nasty-Geheimtipps hinausschaffte. Doch selbst bei einer weniger kleinlichen Freigabepolitik seitens der FSK hätte wohl niemand vermutet, was für ein beachtliches Kleinod sich unter dem eher ranzig klingenden B-Films eines unbeschriebenen Regisseur-Blatts verbirgt, der sein Handwerk autodidaktisch erlernte.

„Ich will doch nur geboren werden!“

Die Geschichte einer prähistorischen Lebensform, die nie seine physische Hülle erlangte. Welche sich nun als wurmartiger Parasit in der hübschen Yanka (Emmanuelle Escourrou, Das Imperium der Wölfe) – oder eher in ihrem Uterus - einnistet und fortan mit der werdenden Mutter kommuniziert. Wir reden dabei nicht über zartes Strampeln oder Treten im Mutterleib, sondern konkrete, verbalisierte Anweisungen: Gib mir den Saft – sonst nehme ich deinen. Yanka muss nun buchstäblich für Zwei essen, allerdings ernährt sich ihr gieriger Untermieter von frischem Blut – bevorzugt von Männern. Und diese anzulocken ist für Yanka kein Problem, besonders die weniger charmanten Exemplare umkreisen sie wie die Fliegen. Ihr Pech, denn Mama wider Willen hört nach anfänglichen Anpassungsproblemen brav auf ihren Bauch. Der Beginn einer blutreichen Odyssee von der Wanderzirkus-Provinz, über Paris bis ans Meer – denn dort will „Es“ geboren werden. Um die um etliche Millionen Jahre verpasste Evolution nachzuholen und seinen angemessenen Platz in der Nahrungskette anzutreten: An der Spitze, wo sonst?

„Sie ist geplatzt. Ich schwöre dir, sie ist einfach geplatzt.“

Ein kleines Wunder, dieser uneheliche Kind aus den kreativen Samensträngen des frühen, subversiven Low-Budget-Body-Horrors eines David Cronenberg (Die Brut), dem räudig-absurden Underground-Creature-Kram eines Frank Henenlotter (Basket Case – Der unheimliche Zwilling) und dem wüste-sarkastischen Splatter-Exzessen des jungen Peter Jackson (Braindead). Baby Blood ist schmales, extrem mutiges Exploitation-Kino, das jedoch trotz seiner zahlreichen Berührungspunkte niemals einen rein trashigen Anstrich bekommt. Dafür ist dieser Wunschkind-Ungetüm viel zu überlegt, clever, rasant und vor allem auf eine hinterlistige wie sarkastische Weise erstaunlich vielschichtig. Wer zünftige, für seine Mittel grandios-handgemachte Schmadder-Kunst bestaunen will, der liegt hier ebenso goldrichtig wie die Bewunderer oben genannter Vorbilder. Mit einem verblüffend-reifem Verständnis für nicht nur visuelle, sondern allgemein inszenatorische Finesse zelebriert Alain Robak den langen Weg zur radikalen Niederkunft als emanzipatorischen Wutausbruch, der sich stets aus der dringend notwendigen, ironischen Distanz betrachtet, allerdings nicht ihr zum Opfer fällt. Selten gelingt so ein außergewöhnlicher Drahtseilakt aus purer Freude am Genre, intuitivem Feingefühl, überraschendem Talent und diesem unabdingbaren Spiel aus bedrohlicher Substanz, wahnwitziger Grausamkeit und dem Fingerspitzengefühl zwischen Absurdität und Genialität.

„Wenn du geboren werden willst, dann sei jetzt ruhig!“

Fazit

Keine schwere und erst recht keine Totgeburt: „Baby Blood“ ist ein Juwel. Kein Rohdiamant, denn selbst in seiner ungeschliffenen Form funkelt und strahlt er aus der Masse hervor. Speziell seiner Zeit meilenweit voraus. Zumindest reduziert auf die Schublade, in die er lange gesteckt wurde. Das ist kein grober Splatter-Quatsch aus dem Sammelsurium der bodenlosen VHS-Gruft, das ist ein verkannter – ein tragender - Teil dessen geheimen Bernsteinzimmers.

Autor: Jacko Kunze

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