7.5

MB-Kritik

50/50 - Freunde fürs (Über)Leben 2011

Comedy, Romance, Drama – USA

7.5

Joseph Gordon-Levitt
Seth Rogen
Anna Kendrick
Bryce Dallas Howard
Anjelica Huston
Serge Houde
Andrew Airlie
Matt Frewer
Philip Baker Hall
Donna Yamamoto
Sugar Lyn Beard
Yee Jee Tso
Sarah Smyth
Peter Kelamis
Jessica Parker Kennedy
Daniel Bacon

Inhalt

Der 27-jährige Adam (Joseph Gordon-Levitt) lebt gemeinsam mit seiner Künstler-Freundin Rachael (Bryce Dallas Howard) in einem kleinen Haus in Seattle. Er ist stets korrekt, liebt Sport, trinkt sowie raucht nicht und fühlt sich, abgesehen von dauerhaften Rückenschmerzen, vollkommen gesund. Trotzdem bekommt er eines Tages die Diagnose Wirbelsäulenkrebs. Adam selbst, nimmt hierbei die Hiobsbotschaft anfangs, die Überlebenschance beträgt nur 50 Prozent, jedoch ziemlich gefasst auf, während seine Freundin, sein bester Freund Kyle (Seth Rogen) sowie seine Mutter Diane (Anjelica Huston) vollkommen mit der Situation überfordert scheinen. Um schließlich die bevorstehende Chemotherapie sowie die Todesgefahr zu verarbeiten, nimmt Adam sogar widerwillig die Hilfe der jungen Psychologin Katherine (Anna Kendrick) in Anspruch. Was folgt ist ein Kampf gegen einen unwirklichen Feind, bei dem Adam jede Hilfe braucht die er bekommen kann…

Kritik

Eine Krebserkrankung thematisch im Film aufzuarbeiten ist ein durchaus schwerer Weg. Immerhin birgt die folgenreiche Diagnose zumeist kein wirkliches Happy-End und auch die Geschichten selbst, sind beklemmend sowie tragisch zugleich (Halt auf freier Strecke, Beim Leben meiner Schwester). Wenn dann jedoch gar noch das Element Komödie dazukommt, entsteht ein höchst schwieriger Drahtseilakt, den nur wenige Regisseure meistern können. Es muss schließlich die perfekte Balance zwischen Ernsthaftigkeit und Humor entstehen, zwischen Tragik und Leichtigkeit, zwischen Leben und Tod. Regisseur und Newcomer Jonathan Levine (All the Boys Love Mandy Lane) indes, wagt sich mit seinem biografisch angehauchten Comedy-Drama 50/50″ genau in dieses Metier und zeigt, dass dazu jedoch nicht mehr nötig ist als ein herausragendes Darstellerensemble sowie ein wenig Geschick im Bereich der Inszenierung. Und als Vorlage für seine Story selbst, greift er mit Drehbuchautor Will Reiser gleich auf jemanden zurück, der einen solchen Leidensweg am eigenen Leib erfahren hat. Denn Reiser musste selbst in jungen Jahren gegen einen bösartigen Tumor ankämpfen und wurde hierbei von seinem Freund Seth Rogen unterstützt. Rogen schließlich, drängte Reiser so zum Drehbuch und unternimmt im Film daher gleich die eigene Rolle, die er selbst eins inne hatte. Was folgt ist eine realistische, humorvoll angehauchte sowie respektvolle Erzählung, die stets den passenden Ton trifft und so zeigt, wie jeder versucht mit einer solch schweren Krankheit umzugehen.

Der Titel 50/50″ trifft es hierbei indes hervorragend. Denn nicht nur die Chancen von Adam stehen fünfzig zu fünfzig, sondern auch die Erzählung selbst, hat genau das passende Verhältnis zwischen Humor sowie Tragik. Drama und Komik liegen bei Regisseur Jonathan Levine, trotz kleinerer Längen im Mittelteil, fortwährend dicht beieinander, wodurch auf der einen Seite herzlich gelacht werden darf (besonders bei den Therapiestunden sowie den Eskapaden von Kyle), ohne dass auf der anderen die Krankheit von Adam ins Lächerliche gezogen oder verharmlost wird. Dies zusammen mit dem wunderschönen Stücken von LOST-Komponist Michael Giacchino, ergibt eine wunderbare Stimmung, die viel Bildsprache offenbart, doch auch mit der Darstellung sowie den Dialogen überzeugt. Schließlich bekommt der Zuschauer so einen guten Eindruck von der Gefühlswelt von Adam, die gerade durch die Diagnose (doch auch das allmähliche Entfremden seiner egoistischen Freundin) vollkommen auf den Kopf gestellt wird. Während Adam so allmählich die verschiedenen Phasen seiner Krankheit durchläuft, wird auch das Leben seiner Freunde sowie Eltern beeinflusst. Wie soll man am besten auf solch eine Diagnose reagieren? Furcht, Trauer, Mitleid oder gar Flucht? Für Kyle ist es gar anfangs eine Möglichkeit Frauen aufzureißen und Adams Mutter möchte gleich bei ihm einziehen, um immer bei ihm sein zu können. Daraus resultiert eine Menge Humor, doch letztlich auch eine gute Stimmung, die für eine Leichtigkeit sowie Dramatik zugleich sorgt.

Wichtig sind schlussendlich, bei solch einer schwierigen Thematik, jedoch vor allem die darstellerische Leistung sowie die Chemie zwischen den Protagonisten. Und gerade hier, beweist Regisseur Jonathan Levine sein gelungenes Geschick im Bereich der Figurenkonstellation. Denn besonders Joseph Gordon-Levitt kann wahrlich als Adam brillieren, wodurch er perfekt den zurückhaltenden und sympathischen jungen Mann offenbart, der stets überzeugend jede Phase seiner Krankheit den Zuschauer näher bringt. Von Fassungslosigkeit über Wut, bis hin zur eigentlichen Operation, Gordon-Levitt überträgt jeden Schmerz, jedes Gefühl passend sowie unaufdringlich, sodass mitfühlen garantiert ist. Unterstützt wird er hierbei indes die komplette Zeit von seinem besten Kumpel Kyle, passend gespielt von Comedy-Experte Seth Rogen, der besonders für den derben Humor zuständig ist. Mit einer Menge Frohsinn sowie Herz, schafft er es trotz recht plumper Sprüche, immer Adam am Boden zu halten, weshalb ein glorreiches Duo entsteht, welches man gerne über den Film hinweg begleitet. Für den sympathischen Part unterdessen, ist die charmante Anna Kendrick zuständig, als junge tollpatschige Therapeutin Katherine. Sie lässt kein Fettnäpfchen aus und gerade dadurch, werden die Therapiestunden zu kleinen Highlights, die viel menschliches offenbaren. Doch auch der Rest des Cast, selbst die kleinen Nebenrollen von Matt Frewer und Philip Baker Hall als ebenfalls krebskranke Patienten, passt sich perfekt in die Geschichte ein, wodurch ein mehr als gelungenes Gesamtbild entsteht.

Fazit

Regisseur Jonathan Levine schafft mit seinem Film "50/50" genau die richtige Mischung von Humor sowie Dramatik, weswegen eine respektvolle Erzählung entsteht, die mit einer hervorragenden Besetzung den Leidensweg von Adam beschreibt. Trotz folgenreicher Diagnose, gibt es so glorreiche Unterhaltung, die gerade in Bezug auf die Darsteller vollends zu begeistern weiß. Trotz schwerer Kost, eine klare Empfehlung.

Autor: Thomas Repenning
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