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Durch ein Flugzeugunglück sind Romans Frau und seine schwangere Tochter ums Leben gekommen. Der Fehler eines Fluglotsen hatte den Absturz verursacht, so dass dieser aufgrund des öffentlichen Interesses an ihm in ein Zeugenschutzprogramm aufgenommen werden musste. 478 Tage später schwört der verwitwete Mann noch immer auf Rache und tut alles, um den Fluglotsen zu finden.

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Kritik

Arnold Schwarzeneggers (Predator) Schauspielkarriere scheint im höheren Alter aktuell einen interessanten Kurs einzuschlagen. Nachdem er sich in den Expendables-Teilen noch möglichst selbstironisch gab und sein eigenes Image auf die Schippe nahm, kamen Filme wie The Last Stand, Escape Plan und Sabotage dem Versuch gleich, die eigenen Qualitäten als gealterter Action-Star trotz eher immer jünger werdender Konkurrenz weiterhin standfest behaupten zu wollen. Maggie markierte für Schwarzenegger allerdings einen deutlichen Kurswechsel in Richtung eines ernsthaften Charakterdarstellers und war ein Film, in dem dieser seine Muskelkraft sowie prägnante Einzeiler völlig außer Acht lassen musste. 

In Elliott Lesters (Nachtigall - There's No Escaping Your Own MindAftermath, dessen Handlung auf einem realen Unglück aus dem Jahr 2002 basiert, werden Schwarzeneggers Fähigkeiten als ernstzunehmender Drama-Schauspieler noch weiter ausgereizt. Spielte er in Maggie noch einen besorgten Vater, der sich während einer Zombie-Epidemie um das Wohl seiner Tochter kümmern musste, wird seine Figur des Architekten Roman hier gleich von Anfang an in einen endlosen Abgrund gestoßen. Durch einen Flugzeugabsturz,  der durch falsches Verhalten des zuständigen Fluglotsen Jake verursacht wurde, verliert er sowohl seine Frau als auch seine schwangere Tochter.

Aftermath wird fortlaufend zur finsteren Studie über Trauer, Verlust, Schuld und Vergeltung, wobei sich die titelgebenden Nachwirkungen wie tonnenschweres Blei auf die Seelen von Roman und Jake legen. In zwei Handlungsstränge aufgeteilt beleuchtet der Regisseur abwechselnd die Trauerarbeit von Schwarzeneggers Figur, der mit dem urplötzlichen Verlust seiner Familie gleichzeitig in einen Zustand verständnisloser Lähmung verfällt, und das ebenso schwere Schicksal des von Scoot McNairy (Killing Them Softly) gespielten Fluglotsen. Dieser muss sich aufgrund technischer Komplikationen und des spontanen Verlusts seiner rationalen Entscheidungsfähigkeit damit auseinandersetzen, inwiefern er direkt oder indirekt den Tod von insgesamt 271 Menschen zu verantworten hat.

Durch starkes Schauspiel, bei dem sich der in extremen Situation immer noch etwas strauchelnde Schwarzenegger zunehmend neben einem gewohnt souveränen McNairy behaupten kann, und eine Inszenierung, die beinahe jede Szene dieses Films in atmosphärische Töne von tiefer Verzweiflung, depressiver Resignation und quälender Ungewissheit taucht, findet Aftermath immer wieder zu markanter Intensität. Unterstützt wird dieser Eindruck durch den bewusst langsam gehaltenen Erzählfluss, in dem jede empfundene Emotion schmerzhaft ausgepresst wird.

Dabei vertraut Lester auf einen passenden Rhythmus aus subtileren Momenten, in denen er die Mimik seiner Darsteller ganz für sich sprechen lässt, und Momenten, in denen diese Subtilität einer erschütternden Wucht weichen muss. In einer Szene begibt sich Roman beispielsweise nach der Katastrophe als freiwilliger Helfer zur Absturzstelle und findet seine tote Tochter mitsamt Flugzeugsitz in einer Baumkrone hängend auf. Im Gegensatz zu Romans Verlust leidet Jake auf die genau entgegengesetzte Weise, denn er hat nach dem Unglück noch eine Frau und einen Sohn, zu denen er mehr und mehr die Bindung verliert.

Erst sehr spät kommt es zur Konfrontation zwischen diesen beiden Männern, auf die der Spannungsbogen den gesamten Film über hinarbeitet. Was dann passiert, dürfte je nach Wissensstand über die realen Geschehnisse wahlweise überraschen oder enttäuschen, auch wenn es seine Wirkung aufgrund einer ganz bestimmten, verstörenden Einstellung keineswegs verfehlt. Als Enttäuschung erweist sich erst das offensichtlich hinzugedichtete Ende, bei dem Lester auf eine emotionale Katharsis aus ist, die zu übereilt und sprunghaft erzwungen wirkt, als dass Aftermath auf denselben überzeugenden Noten endet, die zuvor auf unbequeme, eindringliche Weise durch den Film geklungen sind.

Fazit

In "Aftermath" macht Arnold Schwarzenegger weiterhin überzeugende Schritte in Richtung eines ernstzunehmenden Charakterdarstellers. Auch sonst überzeugt Elliott Lesters auf wahren Tatsachen beruhendes Drama als elegische, intensive Studie über Trauer, Verlust, Schuld und Vergeltung, die in gemächlichem Tempo auf ein Finale zusteuert, das seine Zuschauer wahlweise überrascht, verstört oder frustriert zurücklassen wird. 

Autor: Patrick Reinbott

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