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"South Park: Die rektakuläre Zerreißprobe" im Test

Stu

Von Stu in "South Park: Die rektakuläre Zerreißprobe" im Test

"South Park: Die rektakuläre Zerreißprobe" im Test Bildnachweis: © UbiSooft

Handlung

Über dem friedlichen Bergstädtchen South Park breitet sich Dunkelheit aus. Eine neue Macht erhebt sich, um das Böse herauszufordern. Eine Gruppe Superhelden wird sich zusammentun, angeführt von einem nachtaktiven Jäger, der geschworen hat, South Park vom Gesindel zu reinigen.

Info

Das Spiel ist für PS4, Xbox One und den PC am 17. Oktober 2017 erschienen. Für unseren Test haben wir die PS4-Version durchgespielt, die spielerisch identisch zu den anderen ist. Das Spiel ist 100% ungekürzt, verfügt über deutsche Texte und eine komplett deutsche Sprachausgabe, die allerdings erst via Download kostenlos bezogen werden muss. Das Game lässt sich optional auch komplett in englischer Originalsprache spielen. Die Sprecher der US- und deutschen Fassung sind die selben wie bei der TV-Vorlage.

Kritik

Schon lange gibt es nicht nur zu Filmen, sondern auch zu Serien Videospiele. Auch die amerikanischen Animationsserien für Erwachsene wurden bereits mehrfach als Game umgesetzt. Die Ergebnisse waren fast immer gewöhnlich bis unterirdisch, aber hin und wieder kamen auch Spiele heraus, die überraschend gut waren. Die Simpsons hatten z.B. ihren GTA-Klon Hit & Run und das Futurama-Game war gewiss kein Titel für die Ewigkeit, aber immerhin solide spielbar und weit von einem echten Ärgernis entfernt. Die Kultserie South Park hingegen landete einen Flop nach dem anderen. Alleine das erste Spiel auf der altehrwürdigen Play Station glich einer Arbeitsverweigerung der Programmierer. Doch vor drei Jahren kam mit Der Stab der Wahrheit ein South Park-Spiel heraus, dass überraschenderweise überzeugte.

Das verwunderte allerdings nur auf den ersten Blick. Die Schöpfer der Serie, und , nennen sich selbst Videospielfans und arbeiteten Hand in Hand mit UbiSoft und den Obsidian Studios, an dem Game, dass South Park zu einem Rollenspiel machte. Macht Sinn, immerhin haben Obsidian bereits erfolgreich Genre-Hits wie Fallout: New Vegas oder Star Warss: Knights of the Old Republic 2 erschaffen und die Welt der Serie bietet einfach so viele Aspekte, Figuren und Orte, dass sich ein Rollenspiel dazu anbietet, diese zu erforschen.

Jetzt steht seit kurzer Zeit mit South Park: Die rektakuläre Zerreißprobe der Nachfolger in den Händlerregalen und Downloadkatalogen bereit. Diesmal ohne die Beteiligung von Obsidian, aber erneut unter Führung von UbiSoft sowie Parker und Stone, die sich für die Handlung verantwortlich zeichnen. Diese erzählt erneut von The New Kid, nur dass diese/r diesmal nicht mit seinen Freunden in eine selbst entworfene und imitierte Fantasywelt a la Der Herr der Ringe und Game of Thrones agiert, sondern in der von Superhelden. Die Macher greifen also den Hype der heutigen Zeit auf.© UbiSoft

Das ist aber nicht das Einzige, was sich verändert hat. Ganz vorne bei den Veränderungen steht ohne Zweifel das rundenbasierte Kampfsystem. War dies im Vorgänger recht simpel gehalten, wurde es in der Fortsetzung erweitert. Die Kämpfe finden nun auf einer Art  Schachbrett statt. Hier muss der Spieler genau taktieren, damit sich die eigenen Figuren  (maximal hat man vier Figuren auf dem Feld) nicht gegenseitig blockieren, die Reichweite der Angriffe oder Heilungsitems auch ins Ziel kommen oder die Gegner keinen allzu großen Schaden anrichten können.

Den Schwierigkeitsgrad der Kämpfe kann man jeder Zeit im Optionsmenü anpassen. Vollblut-Strategen und passionierte Taktiker sollten das auch tun, denn für sie sollten der dritte Grad erst dafür sorgen, dass sie etwas gefordert werden. Spieler, die hingegen nicht jedes Jahr mindestens vier Strategie- und/oder taktische Rollenspiele durchzocken, könnten aber auch auf der mittleren Stufe schon angenehm gefordert werden, ohne das zu schnell Frust aufkommt.

Das liegt vor allem an der wirklich guten Lernkurve. Nach und nach modifiziert South Park: Die rektakuläre Zerreißprobe die Kampfplätze. Waren sie zu Beginn ohne sonderliche Eigenheiten, fügt das Spiel nach und nach Hürden wie blockierte Spots, Minenfelder oder Zeitfallen ein. Auf Dauer gibt es auch immer wieder Kämpfe, die durch Spezialziele und mal kleinere, mal größere Sonderelemente herausstechen. So kann es vorkommen, dass wir uns durch einen Korridor kämpfen müssen, während hinter uns unaufhaltsam ein dicker Hintern auf uns zu wabbelt, der uns zermalmen will. Wer gut taktiert und seine Ausrüstung richtig nutzt, sollte aber mit allen Gefahren im Spiel fertig werden. Selbst wenn nicht: Die Rücksetzpunkte sind großzügig und fair verteilt.

Das Equipment des New Kid ist – wer hätte es gedacht? - besonders wichtig. Durch Erfahrungspunkte wächst unser Levelmeter an. Hat es sich gefüllt, können wir uns einen hübschen Artefakt anlegen, von denen es in South Park: Die rektakuläre Zerreißprobe Unmengen gibt. Fabrizieren kann der Spieler diese fast alle selbst, mit einem recht einfachen Crafting-System, in das uns niemand anderes als Morgan Freeman einweist. Mit diesen Artefakten können wir dann bestimmen wie stark New Kid sein soll. Bis zu acht Artefakt-Slots können wie erspielen.

Im Laufe des Abenteuers, können wir übrigens auch unsere DNA noch auswechseln. Wer lieber als Tank fungiert, macht mit der DNA eines mutierten Gorillas also alles richtig. Wer lieber heilt und im Hintergrund seine Party mit Unterstützungszaubern versorgt, sollte wohl lieber zum Genpool eines Hippie greifen. Zu den Erfahrungspunkten sei noch gesagt, dass man diese im Spiel für so ziemlich alles bekommt: Gegner besiegt? Erfahrungspunkte. Rätsel gelöst? Erfahrungspunkte. Bestimme Anzahl einer spezifischen Gegnergruppe besiegt? Erfahrungspunkt.© UbiSoft

Erfahrungspunkte gibt es aber auch für Selfies. Mit den meisten Figuren im Spiel, können wir uns photographieren, so dass unsere Freundesliste anwächst. Natürlich wollen nicht alle einfach so auf ein Foto. Oft genug müssen erst kleinere und größere Aufgaben erledigen werden. Das schöne: Je mehr Follower ihr habt, desto amüsanter ist ein Blick auf euer Smartphone. Auf COONstagram kann es schon mal vorkommen, dass die neuen Freunde eure Taten kommentieren oder euch Tipps geben. Essentiell für das Gameplay ist das zwar nicht, aber eine durch und durch nette Idee, die vor allem der Atmosphäre hilft.

Freunde sind aber nicht im Bereich Social Media und Erfahrungspunkte wichtig, sondern auch beim Lösen von diversen Aufgaben. So könnt ihr gut 80 - 90% von South Park von Beginn an erkunden, doch werdet ihr immer wieder an Stellen kommen, an denen es scheinbar nicht weiter geht. Erst im Laufe der Zeit, wenn ihr euch mit den Helden Human Kite (Kyle), Toolshed (Stan), Professor Chaos (Butters) und Captain Diabetes(Scott) angefreundet habt, geht es weiter, da ihr dann diese zur Hilfe rufen könnt. In Verbindung mit ihren Spezialtalenten und euren Flatulenzen steht euch die ganze Stadt offen und kein geschützter Loot ist mehr sicher. Leider lässt die Rätselqualität dabei zu Wünschen übrig. Selbst die letzten großen Kopfnüsse sollten niemanden groß fordern. Dafür sind die Kooperationen zwischen New Kid und den Helden aber recht ulkig und abseitig. Oder wie würdet ihr es nennen, wenn ein Hamster Stromkreise kurzschließt, in dem er auf rektale Weise in die Steckdose geschossen wird?

Ja, die Geschichte von South Park: Die rektakuläre Zerreißprobe führt uns an viele seltsame Orte, die Kenner der Serie aber kennen dürften. Wie im Vorgänger auch platzt das Game über vor größeren und kleineren Anspielungen, die Fans gewiss des Öfteren ein zufriedenes Grinsen bescheren werden. Es ist auch einfach zu schön als Fan der populären Vorlage durch das verschneite Kaff in Colorado zu wandern. Genau wie im ersten Spiel ist South Park natürlich DER Handlungsort. Groß ist die zu detektieren Umgebung nicht. Im ersten Anlauf müssten erkundungsfreudige Spieler aber dennoch genug zu tun bekommen, um alle Geheimnisse und Schätze zu finden.

Dennoch war Der Stab der Wahrheit hier besser. Nicht weil South Park größer war oder mehr Rätsel und Geheimnisse zu bieten hatte, sondern Obsidian immer wieder nette Zwischenspiele und Ideen einstreute. So gab es einen Kampf, den wir geschrumpft auf dem Bett unserer Eltern bestreiten mussten, während die im Hintergrund ihren ehelichen Pflichten nachgingen. Auch sehr schön war der Besuch in Kanada, den wir als 18Bit-Game erlebten. So etwas fehlt der rektakulären Zerreißprobe leider und es führt dazu, dass sich im Laufe des Spieles schon eine Art Müdigkeit einstellt, wenn man mal wieder am Stripclub Peppermint Hippo vorbei stromert und das Gefühl nicht los wird, dass hier doch mehr passieren müsste, als das, was einem das Spiel vorgesetzt hat.© UbiSoft

Dennoch der Spielspaßpegel bleibt von der ersten Minuten an hoch – zumindest für Fans. Aber selbst die könnten sich vielleicht am dritten Akt des Games stören, denn hier haben UbiSoft und die Serien-Schöpfer es mit der Spielzeit eindeutig zu gut gemeint. Das Finale, bzw. die letzten Schritte dorthin, fühlen sich zu gestreckt, zu gewollt und zu überfüllt an. Die (selbstverständlich) absurde Handlung dreht hier vollkommen durch, aber nicht so, dass es wirklich kreativ oder lustig wirkt. Viel mehr wird alles dafür getan noch eine Spielstunde mehr auf Teufel komm raus aus dem Game herauszuquetschen und dies ohne auf das Pacing zu achten. Schade.

Schade vor allem, weil die Macher im Kampf ein gutes Pacing-Gefühl beweisen. Jeder der Rollenspiele mit rundenbasierten Kämpfen schon einmal gezockt hat, kennt das Problem: Zu Beginn sind die mächtigen Angriffe, die meist mit einer Art Intro-Video eingeleitet werden, verdammt cool. Man fühlt sich als Spieler mächtig und überlegen, wenn man im richtigen Moment den unaufhaltsamen, alles vernichtenden Superangriff zündet. Das macht Freude, das macht Spaß. Wenn man diese Intro-Video aber zum x-ten Mal gesehen hat, nervt es nur noch. Zwar lassen sich diese Filme bei South Park: Die rektakuläre Zerreißprobe nicht abbrechen, sie sind aber allesamt recht kurz. Insgesamt haben die Macher darauf geachtet, dass sich die Kämpfe recht flott spielen. Aber keine Sorge, außer in bestimmten Fällen, könnt ihr eure Züge genau überlegen. Die Kämpfe kommen ohne Zeitlimit aus.

Nach dem bereits mit der mangelnden Ideenvielfalt eine Schwäche von  South Park: Die rektakuläre Zerreißprobe angesprochen wurde, gibt es noch einen Makel. Bevor dieser zur Sprache kommt, wird es aber Zeit für etwas Nitpicking: Die Bildschirmtexte in den Menüs sind in manchen Kategorien zu klein. Selbst auf großen TV-Geräten muss man schon sehr genau hinsehen, um zu erkennen, was dort steht. Wer mit Untertiteln spielt wird hin und wieder auch genau hinsehen müssen. Jede Figur hat eine eigene UT-Farbe, was Sinn macht. Je nach Hintergrund lassen sich die Texte aber nicht sonderlich gut lesen. Letzter Nitpicker: Die deutsche Sprachfassung, die sehr gelungen ist, muss erst heruntergeladen werden.

Nun gut, nach dem Kleinkram jetzt der wohl größte Makel von  South Park: Die rektakuläre Zerreißprobe und das ist kein spielerischer! Wer South Park kennt und wertschätzt, der weiß, dass hinter den oftmals infantilen, ekeligen und tabubrechenden Humor mehr steckt. Parker und Stone haben mit der Serie eine Satire erschaffen, die bereits so viele Themengebiete behandelte, dass einem schwindelig werden könnte. Natürlich ist South Park auch immer eine flätige Komödie, die unterhalb der legendären Gürtellinie agiert, aber eben nicht nur. Mit Die rektakuläre Zerreißprobe stellen sie das auch unter Beweis, aber leider nur mit halber Kraft. So wird zwar immer mal wieder auf den Disput zwischen Marvel und DC Comics eingegangen, so richtig ausgeschöpft wird es aber nicht. Im Zentrum des Humors steht New Kid und ihre/seine Fähigkeiten, die allesamt etwas mit Flatulenz zu tun haben.© UbiSoft

Keine Frage, das Game geht damit teilweise auch sehr gut um, aber es fehlt ein starker, aussagekräftiger Kern. Im ganzen Spiel verstreut gibt es gesellschaftskritische Momente und Passagen, aber sie fühlen sich befremdlich singulär an. Es fehlt etwas, was das alles zusammenhält. Nach dem Ende einer gelungenen South Park-Episode (davon gibt es massig) wurde man als Zuschauer gut unterhalten, aber auch mit einem Thema konfrontiert. Sei es nun Rassismus, Religion oder Politik. Die Serie hinterfragt und kritisiert diese Bereiche immer wieder. Im Spiel ist davon leider nichts zu spüren. Gut, man bestimmt die Schwere des Spiels im Charakter-Editor über die Hautfarbe, aber im Laufe des Spiels bekommt man viel zu selten das Gefühl, dass es wirklich eine Rolle spielt. Die asozialen Rednecks greifen einen so oder so an, egal ob man ein transsexueller Asiat mit serbischen Wurzeln oder ein kaukasischer US-Christ sind. Es ist wirklich bedauerlich, da das Game so viele Chancen hat und ebenso viele Chancen generiert, aber die serientypische Kritik am System verkommt bei South Park: Die rektakuläre Zerreißprobe zur Sidequest.

Ist South Park: Die rektakuläre Zerreißprobe also eine Enttäuschung? Nein, bei weitem nicht. Der Flair der Serie wird dennoch zu 100% transportiert, was daran liegt, dass das Spiel optisch von der TV-Vorlage nicht mehr wirklich zu unterscheiden ist. Es ist eine überlange Episode South Park zum selber spielen. Ein Game dass wie sein Vorgänger, den es beim Kauf von Die rektakuläre Zerreißprobe als Download gratis dazu gibt, mit großer Wahrscheinlichkeit immer dann genannt wird, wenn es darum geht, welche Videospiele von (animierten) TV-Serien gegen alle Gewohnheiten doch empfehlenswert sind.

Fazit

Von der Geschichte und den verarbeiteten Ideen war der Vorgänger besser, aber auch „South Park: Die rektakuläre Zerreißprobe“ kann überzeugen. Zwar fehlt dem Game die kritische und satirische Kraft der TV-Serie, mit Unmengen an Details, einem sehr gut funktionieren Kampfsystem und dem typischen "South  Park"-Feeling erweist sich aber auch dieses Spiel als Must-Have für jeden Fan. Rollenspieler können auch zugreifen – wenn sie schon immer einmal mit Fürzen gegen Sechstklässler, Ninjas und Mutanten kämpfen wollten.

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