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Wir werfen einen Blick auf die erste Staffel rund um zeitreisende Briten, kopflose Reiter und das Ende der Welt

D0mas

Von D0mas in Sleepy Hollow - Staffel 1 - Kritik

Wir werfen einen Blick auf die erste Staffel rund um zeitreisende Briten, kopflose Reiter und das Ende der Welt Bildnachweis: © 20th Century Fox | Der kopflose Reiter freut sich auf euren Besuch

Lean back and have some fun.”

Bei kaum einer Serie trifft dies wohl so zu, wie bei Mark Goffmans Version der Geschichte um "Sleepy Hollow", den kopflosen Reiter und den genialen Tollpatsch Ichabod Crane. Ein kulturelles Update haben in dieser Serienversion auch Sets, Figuren und Geschichte erfahren, Crane kommt auf einmal als sexy Brite daher, der im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg die Seiten wechselte, im Dienst von George Washinton die Engländer ausspionierte, dem dämonischen Reiter persönlich den Kopf abschlug, starb und zwei Jahrhunderte später wie durch Zauberhand wiedererweckt wird. “Sleepy Hollow” macht schon innerhalb seines 46-minütigen, mit Exposition vollgestopften Piloten vollkommen klar, dass die folgenden 13 Episoden, die sich mit nichts Geringerem als den vier Reitern der Apokalypse, fiesen Zwischenwelten, Hexen und dem Ende der Welt beschäftigten, nicht zu ernst zu nehmen sind. Mit “Sleepy Hollow” erfüllen die Verantwortlichen also eben den Zuschauern einen Wunsch, die sich ein zweites “Supernatural” mit (fake)-historischem Hintergrund wünschen oder sich einfach à la “True Blood” in die Tiefen des Absurden fallen lassen wollen. Kann das funktionieren? Macht das Spaß? Finden wir es gemeinsam heraus.

Einer der wichtigsten Aspekte, den solch eine Serie, die ihren Rahmen und ihre Figuren nicht zu ernst nimmt, aber dennoch eine epische, weitreichende Erzählung vom Zaune brechen will, mitbringen muss, ist Konsequenz. Und zumindest hier lässt sich Entwarnung geben. Reden wir gar nicht lang um den heißen Brei herum: “Sleepy Hollow” macht trotz seiner Gaga-Idee und dem zum Scheitern verurteilten Konzept (schon in der ersten Folge wird auf das Ende der Serie verwiesen) verdammt viel Spaß. Und woran liegt das? Wenden wir uns zunächst mal den negativen Seiten der Serie zu: Erwartungsgemäß geht das Vorhaben der Serie schon in der ersten Staffel nicht immer auf und zieht notwendigen Filler nach sich. Hier wird auf große Momente, auf große Kämpfe und fiese Boss-Dämonen zugearbeitet, jede Episode, die sich aber mit dem (Um)weg zu diesen großen Elementen beschäftigt, hat automatisch das Gefühl des Fillers und der Spaßbremse inne. Wer möchte denn fiesen Hessen bei ihrem Unfug zusehen, wenn schon vorher viel größere und mächtigere Gegner angedeutet wurden? Eigentlich niemand. Verkommt “Sleepy Hollow” also zur Serie, die man eher durchskipt, bis wieder große Momente auf den Zuschauer warten?

Zumindest Season 1 schafft es auf erstaunlich gelungene Art diesen Drahtseilakt zwischen inhaltlichem Interesse und offentsichtlichem Filler zu laufen und kippt nur selten in zweitere Region. Dies liegt aber weniger an den Geschichten, die jede Episode geschlossen erzählt, sondern an den tollen Darstellern und ihrer großartigen Chemie. Dem Begriff "Buddy-Cop” wird mit Hauptfigur Abbi Mills (Nicole Beharie - "Shame") und dem zeitreisenden Ichabod Crane alle Ehre gemacht. Vor allem im Englischen kann Crane-Darsteller Tom Mison (“Lachsfischen im Jemen”) mit einer erstaunlichen Präsenz überzeugen, die seinen Crane nachvollziehbar, mitreißend und verdammt charismatisch formt. Man möchte diesem Team an ausgewählten Apokalypse-Gegnern gerne dabei zusehen, wie sie zusammen die Mächte des Bösen bekämpfen, egal wie forciert oder umständlich zusammengewürfelt diese wirken. “Sleepy Hollow” gelingt dabei vor allem das omnipräsente Augenzwinkern auffallend gut. Ob nun Cranes sich fortsetztende Eingewöhnung und Verwunderung über die Macken unserer Welt oder die immer wieder angesprochene Albernheit der dargestellte Monster zeugen von einer angenehmen Selbstreferenzialität, die eine Serie wie “Sleepy Hollow” dringend nötig hat.

Natürlich kommt die Serie dabei immer noch mit einer gehörigen Portion Pathos und Kitsch daher und es sind gerade diese emotionalen Momente, die nicht immer gelungen auf den Zuschauer übertragen werden können. Doch vor allem hier täuscht die Chemie zwischen Mison und Beharie, die die Freundschaft dieser zwei so unterschielichen Figuren greifbar und emotional glaubhaft darstellen, über einige Oberflächlichkeiten hinweg. Jeder Moment zwischen den beiden Figuren wirkt echt, da klappt es sogar mit den Gefühlen. Nur bei den Nebenfiguren funktioniert dies dann nicht so, wie es soll. Gerade Schwester Jenny Mills (Lyndie Greenwoord - "Nikita") und Captain Frank Irving (Orlando Jones - "Mitternachtszirkus") bleiben blasse, uninteressante Figuren, die erst gegen Ende ein paar mitreißende Plotlines ihr eigen nennen können.

Dies alles lenkt aber nicht von den wirklich spannenden und elektriesierenden Momenten ab, die diese Serie imstande ist abzuliefern. Alle Momente mit dem kopflosen Reiter zum Beispiel sind absolut großartig, die Präsenz dieser Figur ist perfekt. Da merkt man dem Mittelteil der Season, in dem der Reiter erst einmal abtaucht, doch einige Langatmigkeiten an, die primär mit dem Verschwinden seiner Erscheinung zusammenhängen. Und ganz überraschend: Die Macher lassen sich hier inhaltlich richtig etwas einfallen und spulen nicht (nur) offensichtliche und faule Episodenschablonen ab. So wird zum Einen überraschend gelungen auf die Geschichte des Reiters selbst eingegangen und zum Anderen avanciert auch John Nobles ("The Mule") Figur des “Sin-Eaters” zu einer überraschend interessanten und gar tiefgründigen Figur. Den Deckel auf diesen Wahnsinn setzt sich “Sleepy Hollow” letztlich mit einem richtig starken Staffelfinale sowie einem verblüffenden Story-Twist auf. So endet eine Serie, der man kaum Chancen auf Tiefe eingeräumt hätte, erstaunlich packend und versöhnlich. Das Warten auf Season 2 stellt sich auf jeden Fall als Geduldsprobe dar.

Dennoch ist “Sleepy Hollow” mit seinen nur 13 Folgen immer noch etwas zu lang geraten. Neben den tollen Sets und Kostümen sowie der gelungenen Inszenierung schleichen sich doch immer wieder Längen in das Geschehen ein. Das passiert vor allem dann, wenn die Show, wie angesprochen, offensichtliche Umwege geht, um die Serienzeit noch ein wenig zu strecken. Wirklich im Kopf bleiben am Ende also nur wenige Episoden, dafür überzeugen aber vor allem die Figuren, als auch ein paar mitreißende und emotionale Einzelsequenzen, die man dieser “bad shit insane”-Show am Anfang vielleicht gar nicht zugetraut hätte.

Fazit

Eine gute Visualität, tolle Darstellerchemie und gelungene Selbstreferenzialität formen “Sleepy Hollow” (die nur in ihrem Rahmen noch etwas mit dem Original zu tun hat) zu einer überraschend empfehlenswerten TV-Show für vergnügliche Abende. Gerade der Umstand, dass die Serie es im Laufe der teils etwas langgezogenen 13  Episoden schafft ein paar faustdicke Überraschungen und mitreißende Momente in sich zu tragen, wertet den Eindruck dieses Kuriositätenkabinetts noch einmal auf, wirklich tief wirkt die Serie um das Ende der Welt aber erwartungsgemäß nie. Da schleichen sich dann immer öfter forcierte Umwege in das Gezeigt ein, die das doch eher bescheidene Konzept etwas in die Länge ziehen sollen. In Season 1 funktioniert dies noch überraschend gut, Season 2 wird es aber, bei Fortsetzung dieser Narrative, verdammt schwer haben das Interesse des Zuschauers halten zu können.

Wertung: 7/10


Technik:

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Am Bild der DVD-Umsetzung von 20th Century Fox  kann man insgesamt kaum meckern, auch der Ton ist DVD-gerecht in Ordnung. So gibt es eine deutsche und eine englische 5.1 Dolby Digital-Spur sowie diverse Untertiteloptionen in verschiedenen Sprachen, von denen wohl noch die englische Spur für Hörgeschädigte erwähnenswert ist. An Extras haben es neben einem Audiokommentar zu den letzten zwei Episoden sowie einem Gag-Reel diverse Einblicke in die Geschichte und Machart der Serie geschafft. Diese sind nicht nur überraschend detail- und abwechslungsreich ausgefallen, sondern belaufen sich in ihrer Gesamtheit auch auf mehr als 60 Minuten. Ebenfalls nett: Vor jedem der Extras gibt es eine kleine Spoilerwarnung. Da wurde in vielerlei Hinsicht an den Zuschauer gedacht.

Achtung: Ein paar Käuferstimmen zu Folge scheint die Season an einigen Stellen gekürzt worden zu sein. So wurden alle Episoden, mit Ausnahme von 1.04, ab 12 freigegeben. Die Freigabe der DVD ab 16 resultiert also nur aufgrund einer einzigen Episode. Beim Härtegrad der Show scheint dies verwunderlich, daher sei auf eine mögliche Kürzung hingewisen, ohne dass diese hier bestätigt werden kann. Bei der Sichtung der Folgen fielen dem Rezenseten keinerlei harte Schnitte auf.

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