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Jacques Becker Edition - Box - Kritik

Smooli

Von Smooli in Jacques Becker Edition - Box - Kritik

Jacques Becker Edition - Box - Kritik

Einleitung:
Jacques Becker zählt nicht zu den bekanntesten oder spektakulärsten Regisseuren Frankreichs, sehr wohl aber zu den vielseitigsten. Der Mann, der seine Filmkarriere als Assistent von Jean Renoir (Die große Illusion) begann und vor allem in den 1950ern einen Film nach dem nächsten drehte, bekommt nun dank Studiocanal eine schöne Box mit vier Filmen, um sein Werk einem größeren Publikum zugänglich zu machen.

Kritik
:
Edouard und Caroline

Mit Edouard und Caroline inszenierte Jacques Becker in seinen Mittvierzigern eine sympathische Rom-Com zwischen zwei tüdeligen Figuren, die als Mittdreißiger streiten wie ein altes Ehepaar, das im Geiste noch Kind geblieben ist. Becker fügt die Beziehungskiste der beiden Hauptfiguren in ein Geflecht, das sich als gesellschaftliche Persiflage versteht und zieht die Arbeiter-/ Künstlerschicht ebenso liebevoll durch den Kakao wie die glänzende Elite, die sich mehr Sorgen um Teppichfalten und den richtigen Eindruck, als um die Existenzprobleme der Künstler macht, auf die sie so angewiesen sind. Beckers Sympathien liegen dabei deutlich auf den beiden Hauptfiguren, dennoch gelingt es ihm äußerst elegant, jedes Abziehbild einer Figur mit Witz und Tiefsinn zu beschichten. Die standesabhängige Unsicherheit zwischen den Weltbildern der Figuren macht dies am deutlichsten. „Ich kenne Monsieur. Aber Monsieur hat nichts gegeben für Monsieur.“ Zu der wunderbar plätschernden Romanze gesellt sich ein unbeholfen naiv erzwungenes Happy End, das den Film nicht abzurunden vermag - auch wenn es unter irgendeiner Kleidfalte einen gewissen Charme mit sich bringen mag. Dennoch: Ein äußerst angenehmer Film.

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Goldhelm
Um die Jahrhundertwende des 20. Jh. zeigt der französische Regisseur Jacques Becker eine romantische Geschichte um ein Paar, das sich in Mitte der belle epoque und einer Bandenrivalität wiederfindet. Goldhelm, wie die junge Frau mit den strahlend goldenen Haaren genannt wird, ist hin- und hergerissen zwischen Männern und wird hin- und hergeohrfeigt, wenn sie aufmüpfig wird. Becker bebildert eine überaus wohl betuchte Gesellschaft, die quasi im Reichtum erstickt. Alles ist von unschätzbarem Wert, abgesehen von den anderen Menschen - diese haben keinen eigenen Wert, nur einen für die Machenschaften Dritter. Goldhelm gehört zu einem Mann. Und wenn man nicht selbst dieser Mann ist, kauft man sie eben ab. So einfach könnte das Leben sein. Becker inszeniert Goldhelm dabei durchaus als selbstbewusste Frau, dennoch scheint sie nicht vollends emanzipiert. Die ein oder andere Ohrfeige gehört halt dazu. Wie der Film dazu genau Stellung bezieht, bleibt lange schwammig. Dies lässt sich als wunderbar repräsentatives Beispiel für Beckers Inszenierung sehen. Der Film ist größtenteils brav abgearbeitetes, aber niemals immersives oder interessantes Kino. So versumpft der Film schließlich im Mittelmaß, das den Zuschauer nie für sich vereinnahmen kann. Das hat Becker später (und früher) weitaus besser gemacht.

Wenn es Nacht wird in Paris

[...] Die Stadt Paris, genauer gesagt das kriminelle Mileu der Unterwelt von Paris, erscheint dabei äußerst glaubhaft in Szene gesetzt, was unter anderem den Drehlocations zu verdanken ist. So wurde etliche Szenen tatsächlich in der Pariser Innenstadt gedreht und der im Film vorkommende Nachtclub Mystic existiert tatsächlich und wurde demach auch als Drehort genutzt. Zwar erkennt der aufmerksame Zuschauer hier und da das aufgebaute Set, doch insgesamt ist dies ein Aspekt über den es sich hinwegsehen lässt. Denn die Schauplätze wirken selbst für heutige Verhältnisse noch gut ausgestattet, auch wenn die Bilder teils ziemlich schlecht beleutet sind. Schon nach wenigen Minuten fühlt sich der Zuschauer in das Milieu hineinversetzt, als wäre man ein Teil des Mobs. Schicke Anzüge,  hübsche Frauen und eine Stadt die einem zu Füßen liegt. Das ist die Welt von Max, Riton und Co.  Und was wäre ein Gangsterfilm ohne den einen oder andren Kugelhagel? An dieser Stelle sei gesagt, dass auch die Feuergefechte und Explosionen erstaunlich gut gealtert sind und sich dementsprechend gut sehen lassen können. [...]

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Das Loch

Dieser Film basiert auf wahren Ereignissen. Ein Umstand, auf den Regisseur Jacques Becker (Wenn es Nacht wird in Paris) erst gar nicht Aufmerksam machen muss, ist er angesichts der Akribie und Präzision des Regisseurs ohnehin gleichgültig. Die Frage danach, ob sich die Geschichte von Das Loch wirklich so zugetragen hat oder doch völlig frei erfunden ist, scheint unnötig, weil der Realitätsgrad und die Bodenständigkeit zu jeder Sekunde suggerieren, dass sie es zumindest könnte. Fünf Insassen in einem Pariser Gefängnis, die Sehnsucht nach Freiheit, ein gar nicht mal so spektakulärer Ausbruchsplan und das titelgebende Loch als Lichtblick am Horizont. Dabei ist der Film jedoch viel mehr als der typische Gefängnisstreifen – oder zumindest etwas Anderes. Dafür sorgen der kammerspielartige Fokus, die zwischencharakterlichen Spannungen sowie nicht zuletzt Beckers gekonnte Regie. [...]

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Dank Studiocanal ist die Jacques Becker Edition seit dem 07. Juni im freien Handel erhältlich. Neben der tollen Auswahl, die die gesamte Bandbreite von Beckers Schaffen beweist, finden sich zahlreiche Interviews und Featurettes, sowie Blicke hinter die Kulissen auf den Scheiben. Alle Filme verfügen über eine Deutsche und eine Französische Tonspur sowie ausreichende Untertitel.


Fazit:
Studiocanal hat einen guten Riecher bewiesen und eine gelungene Auswahl an Filmen in dieser schönen Edition versammelt. Auch wenn das Meisterwerk von Beckers Schaffen zweifelsohne Das Loch ist, müssen sich die anderen Filme ganz und gar nicht verstecken und überzeugen auf ihre ganz eigene Art. Der Jacques Becker war ein Mann vieler Talente. Umso schöner, dass man nun die Möglichkeit hat, diese gebührend zu genießen.

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