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"Infernal Affairs" – Die komplette Trilogie - Kritik

Souli

Von Souli in "Infernal Affairs" – Die komplette Trilogie - Kritik

"Infernal Affairs" – Die komplette Trilogie - Kritik Bildnachweis: © NAMELESS

Einleitung

Infernal Affairs zählt zu den wohl bekanntesten Trilogien der asiatischen Filmlandschaft. Nicht zuletzt dank Martin Scorsese, der der Spitzel-Reihe durch sein mehrfach Oscar-prämiertes Remake Departed – Unter Feinden noch einen Bärendienst in Sachen allgemeiner Wahrnehmung geliefert hat. Oftmals allerdings hat man den Eindruck, wenn das Thema Infernal Affairs angesprochen wird, bezieht man sich meistens nur auf den ersten Teil – zu Unrecht! Denn wie unten zu lesen, wissen auch die beiden Fortsetzungen durchaus zu überzeugen, mal ganz davon abgesehen, ob sie denn wirklich nötig gewesen wären.

Kritik

Infernal Affairs – Die achte Hölle (2002)

Mit Departed – Unter Feinden ist es Martin Scorsese (GoodFellas – Drei Jahrzehnte in der Mafia) gelungen, eines der großen Meisterwerke des amerikanischen Kinos nach der Jahrhundertwende in Szene zu gießen. Dass es sich bei diesem auf jeder filmischen Ebene hochkarätigen Spitzel-Thriller um ein Remake des chinesischen Infernal Affairs aus dem Jahre 2002 handelt, ist dem geneigten Filmfreund natürlich bewusst – genauso wie die Unfairness eines Vergleichs zwischen diesen beiden Filmen. Natürlich würde Martin Scorsese öffentlich niemals zugeben, dass Infernal Affairs an seiner bisweilen merklich unausgegorenen Erzählform krankt, allerdings ist genau dieser Umstand das Problem, warum Departed – Unter Feinden das eindeutig bessere Werk ist: Das unrunde Sinnieren über die brüchige Bedeutung individueller Identität. Rastlos hetzt das Narrativ von Szene zu Szene, vergisst es dabei allerdings vollkommen, die Charaktere sauber einzuführen und zu grundieren.

Alan Mak und Wai-keaung Lau interessiert sich ausschließlich dafür, das vordergründige Spannungsgeflecht zwischen Verrätern und Maulwürfen anzufeuern, ohne dem Zuschauer die Möglichkeit zu geben, die dramatische Fallhöhe dieses Abstiegs in die achte Hölle greifbar zu machen. Was Infernal Affairs aber abseits von Charakter-Entwicklung und Handlungsaufbau beherrscht, ist eine Atmosphäre stetiger Anspannung und Frustration zu kreieren. Die Zentralfiguren, Ming und Yan, zerbrechen zusehends an dem Druck, ihr wahres Ich verleugnen zu müssen, was die Regie weniger für eine analytische Betrachtung des Selbstverlusts nutzt, sondern sich durch die die gehetzte Taktung ein Ventil sucht, um die moralische Einkesselung der Figuren zu forcieren. Das gelingt und Infernal Affairs weiß aus der Perspektive durchaus zu gefallen, der eindrucksvollere, reichhaltigere Film allerdings ist Martin Scorseses Oscar-prämiertes Pendant aus dem Jahre 2006.

Infernal Affairs II – Abstieg in die achte Hölle (2003)

Es existiert keine Zeit. Es existiert kein Raum. Der Abstieg in die achte Hölle ist ein Leidensweg, der das immerwährendes Martyrium verheißt. Infernal Affairs aus dem Jahre 2002 hat uns diese Hölle präsentiert: Die Qualen, die die Charaktere auszutragen haben, nachdem sie gezwungen wurden, ihre Persönlichkeit abzulegen. Die psychologische Zermürbung, die körperliche Beklemmung. Mit Infernal Affairs II vollziehen Wai-keung Lau und Alan Mak nun in aller Ausführlichkeit diese infernalischen Talfahrt nach: Nicht das Ergebnis, sondern der Grundstein steht hier im Zentrum. Und der obligatorischen Prequel-Antihaltung weiß das Regie-Gespann gekonnt entgegenzuwirken, ermöglicht es Infernal Affairs II dem Zuschauer doch nun endlich, sich abseits einer gewöhnungsbedürftig durch die Szenerie hechtenden Schnittmontage in die Gefühlswelten der Figuren einzufühlen, ihre Ambivalenzen zu erleben, die Hintergründe zusammenzusetzen und den Kontext zu vergegenwärtigen, in dem später Tony Leung Chiu Wai und Andy Lau  im Spitzeldienst der jeweils entgegengesetzten Seite des Gesetzes um ihr Leben fürchten müssen.

Infernal Affairs II ist dabei vor allem eine Sache: Stockfinster. So finster, dass sich die involvierten Parteien, die nach und nach in der lasterhaften Halbwelt Hongkongs verloren gehen, dazu genötigt sehen, auch bei Nacht Sonnenbrillen zu tragen. Das melancholisches Schicksalsgefüge von Wai-keung Lau und Alan Mak, deren Ausgang uns bereits bekannt ist, baut auf Charaktere, Stimmungen und Verstrebungen. In zuweilen überfrachten 120 Minuten blickt Infernal Affairs II in den Schmelztigel der Gewalt von Tsim Sha Tsui, legt tiefe Ängste und Unmoral frei; Ehrenhaftigkeit und existentielle Schwere. Definitiv eine sinnstiftende Rückschau.

Infernal Affairs III (2003)

Die Hölle, das sind wir. In dem undurchdringlichen Geflecht aus Schein und Sein, Identität und Nicht-Identität, Lüge und Wahrheit fällt die letzte Klappe und die Maulwurfhügel, die nun innerhalb von sechs Stunden minutiös aus Blut, Schweiß und Tränen errichtet wurden, werden unter der hochwertigen Regie von Wai-keung Lau und Alan Mak in logischer Konsequenz eingeebnet. Die Hölle nämlich, das sind wir selbst. Dieses Bonmot umfasst ist die Lektion, die Infernal Affairs III dem Zuschauer mit auf dem Weg gibt, nachdem er den sechsstündigen Abstieg in die achte Hölle überstanden hat: Fordernd und zermürbend war die Zeit, doch während Infernal Affairs als getriebener Spitzel-Thriller einst begonnen hat, um im zweiten Teil die Ursprünge aller Gesetzes-behördlichen und Halbwelt-gewerblichen Aneinanderlagerungen aufgezeigt worden sind, kämpft sich der dritte Eintrag in das durchaus namhafte Franchise durch die stahlblaue Kälte Hongkongs, um den Charakteren, allen voran der von Andy Lau toll gespielte Lau Kin Ming, endgültig ihren Faktor Mensch zurückzugeben.

Durch die Triaden verroht worden und durch seinen Mittelsmanndienst inzwischen mehr als psychotisch veranlagt, ist Lau ein impulsiv-selbstzerstörerischer Wrack. Der Abstieg in die achte Hölle in Infernal Affairs III ist ein an seinem Beispiel durchgeführter Abstieg in das eigene Unterbewusstsein, in dem die seelischen Verletzungen stärker denn je klaffen. Angenehmerweise baut der Abschluss der Trilogie, wie schon der Vorgänger, auf einen konzentrierten, weniger aufgewühlt-hitzigen Stil und gibt seinen Akteuren den nötigen Raum, um dem Publikum aufzuzeigen, was es bedeutet, keinen Namen mehr zu besitzen, sondern nur noch als ein Schatten existent zu sein. Bedrückend gestaltet sich hier das unnachgiebige Aufzeigen der Inszenierung, wie ausgeliefert die Figuren sich selbst sind. Sie krepieren an einer Ausweglosigkeit gegenüber ihrer eigenen Person. Und sicherlich ist das die bittere Ironie, die der gesamte Erzählkomplex des Persönlichkeitswechsels mit sich bringt: Der Zwang, jemand anderes zu sein. Die Unmöglichkeit, mit sich selbst ins Reine zu kommen. Ob es diese psychoanalytische Sitzung wirklich gebraucht hätte, ist weiterhin fraglich, dennoch findet Infernal Affairs III einen versöhnlichen Abschluss. Nicht nur für manchen Protagonisten, auch für den Zuschauer. Gelungen nämlich ist dieser Film zweifelsohne.

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Technischer Part

Die 3-Disc Blu-ray von NAMELESS (Veröffentlichung: ) überzeugt durch eine klare Bildauflösung und ein sauberes Sounddesign. Technisch gibt es bei dieser Publikation nichts zu bemängeln, Sammler aber greifen natürlich zum Mediabook, obgleich diese in Sachen Bild- und Ton natürlich keine bessere Qualität aufweist. Auch das Bonusmaterial der Amaray-Edition kann sich sehen lassen: Hier findet sich ein alternatives Ende zum ersten Teil, Making Ofs, Outtakes, Deleted Scenes, Musikvideos, eine Dokumentation, Trailer und Biographien.

Fazit

Die "Infernal Affairs"-Trilogie gilt vollkommen zu Recht als Must-See: Die Reihe ist komplex, spannend, zwar durchaus überfrachtet, aber durchweg interessant im intellektuellen sowie genreaffinen Umgang mit Identitäten und Nicht-Identitäten.

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